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          24 Jahre lang ...
 
Die Zeit geht nicht nur in Amstetten, sondern überhaupt überall einfach so dahin. Der Wind weht über die Meere, Städte, Länder ... „es war schon immer so“.
In Amstetten aber  ist für einen Augenblick ein Keller aufgesperrt und ausgeräumt worden. Was dann sichtbar wurde ist derart ausführlich dargestellt worden, dass ich die Kenntnis voraussetzen kann. Eigentlich  ist nichts davon sensationell – es gab schreckliche Vorfälle schon immer und überall – aber diesmal drängte alles und jedes ans Licht.
Vor allem die existentielle Wahrheit drängt immer  ans Licht. Läßt man sie grad dort nicht heraus, dann versucht sie es grad da – das besagt der alte Satz dass „der Mensch ein Ausdrucksgeschehen“ ist. „Was drinnen ist ,muss einfach heraus und sichtbar werden.“
Für unsere Kolumne sind diejenigen Aufdeckungs- oder Enthüllungsbemühungen wichtig, die sichtlich einen anderen Aspekt zeigen.
Da ist zuerst die „Beleidigung“ zu nennen. Ganz Österreich, besonders Amstetten ist von niederländischen Medien beleidigt worden heißt es. Selbst der Bundeskanzler fühlte sich aufgefordert, Richtigstellungen weltweit zu erwägen. Merke (möchte man altmodisch sagen): Man muss auch was einstecken können, wenn man zuerst ausgeteilt hat. Österreich hat ausgeteilt- vor allem durch die Tiefenpsychologie und die analytischen Psychotherapie. Ganz selbstverständlich nimmt man dort an, dass in jedem Menschen ein „Keller“ lauert, der nicht gesehen und nicht gehört werden sollte. Wünscht man. Aber das geht .leider nicht. Denn die unglaubliche Dynamik des Unbewußten im Menschen schiebt und schiebt wie die Aufdecker in Amstetten. Letztendlich muß die existentielle Wahrheit heraus, Denn nur „was ans Licht kommt, wird auch licht!“ wie Paulus und Sigmund Freud schreiben. Jetzt ist zunächst einmal das Wesentliche heraußen- jetzt kann die Heilung (=Sanierung) der tiefen Wunden der Opfer   beginnen.
Außerdem ist anläßlich dieses Prozesses auch deutlich geworden, dass wieder einmal die Behörden den größten Bedarf an  therapeutischer Hilfe haben. Wie schon bei Luka, bei Frau Kampusch und beim legendären Ringtheaterbrand von 1881  sagen die Behördenvertreter zuerst einmal: „Wir haben unsere Pflichten alle bestens erfüllt!“ Beim Ringtheater lautete der Satz etwas anders: “Majestät, alles gerettet!“. In Wahrheit gab es 384 tote Brandopfer. . Heute steht auf dem abgebrannten Grundstück die Bundespolizeidirektion Wien.. (Ist das nicht merkwürdig? Die Polizei scheint von dem Ort ihrer Leugnung nicht wegzukommen...)
Warum das so ist?
Weil sich  wohl Einzelpersonen „bessern“ oder auch „bekehren“ können, nicht aber Grossgruppen wie Städte oder Länder. Ganz im Gegenteil potenzieren diese die psychische Energie ihrer Mitglieder und bündeln sie in eine gemeinsame, oft negative  Richtung.  Wenn man das Entstehen eines Familienproblems mitverfolgt, dann  zeigt sich, dass es alle möglichen Wendungen nimmt, aber am Ende doch massiv da steht. Scheibchenweise scheint sich das Übel anzubahnen- oft merkt man es kaum.
Ich glaube, dass das Entsetzen der Öffentlichkeit grundrichtig ist. Ein derart böses Phänomen kann man nicht befriedigend wegerklären. Man sollte es eigentlich auch nicht versuchen. Der Schrecken darüber, dass das überhaupt geschehen hat können gehört zum Geschehen dazu.
Also bleibt für uns die bittere, aber realistische Situation, zugeben zu müssen, dass das Eis sehr dünn ist, auf dem unsere Zivilisation lebt. Darunter droht ein Abgrund an aggressiver, mörderischer  Dynamik. Hoffentlich wird er rechtzeitig durch Therapie in ein Krankheitssymptom übergeleitet  und  entsprechend behandelt. Sonst....
Aber das kostet vor allem auch den schmerzhaften Abschied von einem Bild strahlender Menschlichkeit, in das wir uns gerne einhüllen. „O Eitelkeit der Eitelkeiten“ nennt diese Einhüllung  die Bibel im Buch Prediger 1,2.
So wunderbar und erstrebenswert „Menschlichkeit“ als Grundhaltung ist – wenn sie nicht den Abgründen unserer Welt standhält, täuscht sie uns und macht uns glauben, wir könnten uns über die Abgründe einfach hinwegschwindeln. „Wir waren es jedenfalls nicht! Sondern diese anderen da...“ Das wäre ein Jammer...!. 
Jeder Mensch und jeder Ort hat seine schrecklichen  Keller – nicht nur Amstetten. 
                           
                                       
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