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Da
kann man leider nichts machen ... ...
so sprach ein Herr Minister nach Meldungen der Medien auf
die Frage, was die Regierung gegen Preissteigerungen der
Grundnahrungsmittel zu tun gedenkt. Ich muss zugeben,
dass meine wirtschaftspolitische Bildung leider nicht an
diejenige der Wirtschaftsexperten herankommt. Aber, aus
einer therapeutischen Perspektive wirkt so ein Satz
dennoch alarmierend. Denn der Herr Minister hat laut
Pressemeldungen obendrein darauf hingewiesen, dass an
sich in Österreich ja genügend Getreide gelagert wäre.
Aber dieses Getreide zu einem angemessenen Preis zu
verkaufen gehe nicht an. Niemals! Und dann folgt die
lange Litanei der Begründungen. Warum etwas, was
möglich ist, doch nicht möglich ist: Weil Verträge,
Zusagen, Markt, Markt, Markt etc.
Derartige Sätze wie man kann nichts machen, obwohl alles
möglich wäre und gerade weil so viel möglich wäre ist
es in Wirklichkeit unmöglich! Derartige strukturelle
Gedankengänge, die strikt gegenläufig sind, gehören
zum Grundrepertoire neurotischer Störungen. Sie
treten ausserhalb und innerhalb der
menschlichen Seele auf. Sie bevölkern die Welt. Ich
mache einige Vergleiche dazu: Ich könnte ja meiner
alleinerziehenden Tochter eine finanzielle Unterstützung
gewähren aber ich muss mit meinem Segelclub an einem
Wettbewerb in Australien teilnehmen. Das ist viel zu
teuer und deswegen kann ich meine Tochter doch nicht
unterstützen. Da kann man leider nichts machen!
Oder auch der Herr Bürgermeister vom Wörthersee. Die
Wirtschaft verdient so gut an dem GTI Fest. Die
zauberhafte Umweltrentabilität begeistert die Hotellerie
rund um den Event. Sich wirklich an die Gesetze zu
halten: Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung,
Gefährdung von völlig friedlichen Passanten etc. Nein,
da kann man leider nichts machen! Man konnte leider auch
nichts machen, als nach dem Tod Adolf Hitlers man dachte,
dass der Krieg nun aus sei. Zwar war der Krieg aus, aber
in dem Monat, das bis zur endgültigen Unterzeichnung der
Kapitulation verstrichen war, hatte Herr Großadmiral
Dönitz noch Todesurteile verhängt gegen Soldaten, die
einfach Richtung Heimat sich abgesetzt hatten und er
ließ diese Urteile auch vollziehen. Da kann man leider
nichts machen. Da fehlen datumsmäßig einige Tage, dass
man etwas machen hätte können. Der Zwang der Umstände,
der Verträge, der fixen Vorstellungen, angefeuert durch
den Unwillen eine wirkliche Änderung ins Auge zu fassen
ist der Hintergrund zu dem eine breite Straße führt mit
dem Motto: Da kann man leider nichts machen!
Natürlich sieht es so aus, als ob man wirklich nichts
machen könnte. Und es stimmt auch, dass es gefährlich
sein kann etwas gegen den Trend der Zeit zu machen.
Aber, wenn wir auf die Opfer dieser fast dämonischen
Zwanghaftigkeit sehen, kann es einfach nicht wahr sein,
dass man nichts machen kann. Schließlich hat Bertha von
Suttner, die österreichische Friedensnobelpreisträgerin
1889 ein unglaublich kühnes Buch geschrieben, mit
dem Titel Die Waffen nieder. Aber natürlich
konnte man nichts machen. Die Generalität ließ sich in
keiner Weise beunruhigen, auch die Politik nicht, auch
die Wirtschaft nicht, auch Deutschland nicht, auch
Frankreich nicht und Südeuropa nicht und Osteuropa auch
nicht. Unermüdlich machte Bertha von Suttner etwas und
starb während der Vorbereitungen zu einem
Weltfriedenskongress, den sie nach Wien im August 1914
einberufen wollte. Obwohl Bertha von Suttner nicht so
viel machen konnte, als sie wollte, ist doch heute ihr
Anliegen zumindest in der EU akzeptiert. Und mit Grauen
denken wir an die Todesopfer des 1. Weltkrieges und
keineswegs sagen wir, da kannst du nichts machen.
Irgendwer muss ja ins Gras beißen. Weil man nicht mehr
machen wollte als Bertha von Suttner gab es eine Million
Tote und Vermisste, rund zwei Millionen Verwundete und
über eine Million Kriegsgefangene. Weite
Bevölkerungsteile waren verarmt. Was unter anderem eine
der Ursachen des 2. Weltkrieges war. Leider! Da kann man
nichts machen! Wer würde heute noch so denken. Man weiß
ziemlich genau, was man hätte machen können.
Für unsere Kolumne ist es wichtig, dass jeder neurotisch
psychisch gestörte Mensch sozusagen neben vollen Töpfen
verhungert. Obwohl deutlich zu sehen ist, was man alles
machen hätte können, scheint es ihm oder ihr, dass man
eben nichts machen kann. Und das gilt natürlich auch
für die Politiker aller Art, auch für Kirchenführer
wie z.B. eine Vereinigung, eine ökomenische Einheit sich
einfach nicht vorstellen können. Man kann nichts machen.
Das darf man nicht. Das kann man nicht und überhaupt, wo
kämen wir da hin!
Es kommt nur darauf an zu sehen, dass die Resignation
eine Vortäuschung ist. Und die gesamte
Weltgeschichte ist voll von Beispielen, dass man sehr
viel machen kann obwohl man denkt, fühlt, fürchtet, man
könne nichts machen. Zurück zum Herrn Minister: Es ist
zu hoffen, dass seine nähere Umgebung ihm widersprechen
wird. Es ist immer zu hoffen, dass es Menschen gibt, die
gegen die Resignation auftreten. Und natürlich gibt es
Klugheit und Sachverstand. Aber noch viel mehr gibt es weltweit
leidende und hungernde Menschen . Und man darf auch
hinzufügen, wozu gibt es dann Führungsetagen in
Unternehmen und sogar in den Regierungen der Welt, wenn
man sowieso nichts machen kann angesichts drohender
Hungersnöte. Jeder von uns kann in die scheinbare
Selbstverständlichkeit der Resignation eine Bresche
brechen, indem er sich klar macht, dass es eine Einrede
ist, die durch unser Hirn flattert und die große
spirituelle Lehrer als nicht gerade von gutem Geist
inspiriert bezeichnen würden.
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