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NETZ IST ZERRISSEN ! "Netze" sind uralte Symbole für Menschen, die in sich gefangen sind. Das sagen mehr oder weniger alle großen Therapeutinnen und Therapeuten. Jeder und jede kann das Bild verstehen: Man kann sich durchaus bewegen, aber je mehr man sich bewegt, desto weniger kommt man aus dem Netz heraus. Also muß man darauf hoffen, dass das Netz zerreißt. Am 2. April war dergleichen in der Donaucitykirche zu erleben gewesen. Die ehemalige verborgene tschechoslowakische Untergrundkirche des Bischofs Davidek wurde von den europäischen Kirchen geehrt. Anmerkung 1: Natürlich sind die Ehrenden die ebenso "verborgenen, untergründigen" Reformbewegungen "Wir sind Kirche, Plattform der Laieninitiven, Pfarrerinitiative" usw. gewesen. Offenbar muß man eine innere Nähe zu einer verborgenen Kirche empfinden, um verstehen zu können,daß wir im Westen hier schon längst diese Aufmerksamkeit hätten aufbringen müssen. Anmerkung 2: Durch Gottes Güte hat es uns allen die Rede verschlagen, als leibhaftige Geheimpriester und Priesterinnen vor uns standen. Oder wer hat schon vorher die Frau Generalvikarin Ludmilla Javorova gesehen, die von ihrem Bischof Davidek nach sorgfältiger Überlegung geweiht und ernannt worden ist. Jener Bischof Davidek lebte in einer rastlosen Missionssituation - wenn er nicht gerade inhaftiert war,weihte er Bischöfe und Priester, war als moderner Paulus äußerst "umtriebig" und derart aktiv, daß man versuchte, ihn als geisteskrank zu diagnostizieren. Ein mörderischer Versuch, die Seele eines Menschen umzubringen ... Wieso konnte dies so unbemerkt geschehen? Was sagte der Papst, was Rom dazu? Seine Exzellenz Staatssekretär hieß Casaroli unseligen Angedenkens. Kurz und gut: Die Diplomatie tat sich schwer mit dieser Untergrundkirche.Sie torpedierte allein durch ihre christliche Existenz mitten im kommunistischen Imperium alle Versuche, die Lage atheismuneutral unter Kontrolle zu bringen. Aber es ging ja der Geheimkirche um die Gegenwart Christi in der Gesellschaft.Und diese Gegenwart findet man sehr schwer, wenn den Armen die Pfarrhauskeller verboten werden und einige Prälaten dafür Wohnungen in exzellenter Lage am Dach beziehen. (Nichts gegen diese exzellenten Locations - wer hätte nicht gerne eine solche - aber was ist mit der Kirche? Was mit ihrer bedrohten Existenz durch unsere Lebensart ... Anmerkung 3: Das merkt man erst, wenn man Ludmilla Javorova zuhört. Sie ist eine bald 80jährige, zarte Greisin - ein stiller Blitz der Erschütterung ging durch die Versammlung in der Donaucitykirche, der sich urplötzlich in einem spontaen Applaus Bahn brach. Alle standen auf und vermochten erst nach 10minütigem Beifallspenden wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Die verborgene Kirche hatte ihre Ehre wiederbekommen. Kein römischer Diplomat hätte dagegen etwas sagten können - außer: Alles unerlaubt! Aber wenigstens im Glauben gültig. Und was jetzt? Jetzt sprach zum hundertausendsten Mal die Laieninitiative beim Kardinal vor. Es gab klare Worte von beiden Seiten: "Wir Bischöfe wollen das alles nicht, was die Kirchenvolksbewegung will. Deshalb werden wir Eure Forderungen auch nicht an Rom weitergeben!" Ehe noch das Ende dieses Dialoges gesprochen wurde, sagte der Vertreter der Laieninitiative: "Lieber hochwürdigster Herr Kardinal, wir sind im vorgerückten Alter. Was werde Sie sagen, wenn Sie demnächst vor Ihrem Herrgott stehen müssen und nach den unerträglichen Lasten gefragt werden, die Sie ihren Kirchen auferlegt haben?" |
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