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Der fluchbefleckte Wiener Stephansdom müsste neu geweiht werden!

Beim Bußgebet am Mittwoch in der Karwoche waren neben dem Wiener Kardinal auch viele kirchliche Würdenträger versammelt, viele Vertreter aus den Pfarrgermeinden  aus den Kirchen und das Regieteam des Gottesdienstes aus Innsbruck und Wien.

So weit alles gut.

Soweit aber überhaupt nicht gut sind einige Akzente gewesen, die aus therapeutischer Sicht dringendst anzumerken sind.

Da ist einmal die gekonnte Licht/Tonregie im Dom. Regietechniken stammen aus Bühneninszenierungen. Seit eh und je sind sie in Spannung mit dem Geschehen eines Gottesdienstes gestanden. Grandiose Lichtregien  erlebten barocke Kirchenräumer, leider aber auch das Parteitagsgelände in Nürnberg unter Albert Speer und Adolf Hitler. Man kann mit Technik eben alles „machen“ – gerade unsere Zeit weiß das …..

 Man darf aber in einem christlichen Gottesdienst nicht alles anwenden, was möglich und vor allem eindrucksvoll ist. Denn die so manipulierte  innere Bildgestalt stellt der Substanz nach ein „Konstrukt“ dar. Ein beeindruckendes Konstrukt setzt sich im Inneren des Menschen fest – wie bekommt man es von dort wieder aus dem Menschen heraus?

Dort – im Inneren des Menschen – darf nach christlicher Auffassung nur Gott wohnen. Nach therapeutischer Auffassung darf dort nur ein Konstrukt sein, das vom Menschen selber frei bejaht  nicht schaden kann.

Die Missbrauchsopfer sollten endlich reden dürfen. Ganz öffentlich.

Eines der Missbrauchsopfer aber hat feierlich und eindrucksvoll die Missbrauchstäter verflucht. Und die Regisseure haben das glattwegs zugelassen.

„Die Fluch -Psalmen“ des Alten Testamentes tun das doch auch -  oder?“ Dazu ist knapp zu sagen:

Schon in apostolischen Zeiten hatte man dieses Problem gesehen. Man antwortete ungefähr so: „Die schrecklichen verfluchenden Verse zB des Psalmes  109,1-29 können sich gar nicht gegen Menschen richten - sonst hätten sie die  Apostel sicher nicht gesungen! Sie richten sich gegen den Teufel und die Dämonen!“ So die frühen Katecheten und Kirchenväter. Die wussten offensichtlich noch, dass Worte nicht „nur warme Luft sind“ wie die Aufklärer sagten, sondern bewirken können, was sie aussagen.

Natürlich haben Opfer das Bedürfnis, , es den Tätern  heimzuzahlen Daß wir das gut nachfühlen können, heißt aber nicht, dass es den Opfern  deswegen empfohlen werden kann, es auch zu tun. Denn „der Fluch kehrt irgendwann zum Verflucher zurück !“ wie schon die Alten aus Erfahrung wussten. Der mit Konzentration und vollem Willen ausgestossene Fluch tut etwas Böses- er trifft nicht nur den Täter sondern umkehrend auch das Opfer.Er ist ein Bumerang.

Aber vielleicht genügt es ganz einfach zu den Texten des Neuen Testamentes zurückzukehren. Wir kennen sie doch im Wesentlichen alle.

So heißt es zum Beispiel im Römerbrief“ 12/14: „Segnet und flucht nicht!“-oder im Lukasevangelium:“ 6,28 „Segnet die, die euch fluchen!“ .

Vielleicht ist das auch dem Mißbrauchsopfer eingefallen, das diesen schauerlich Fluch -  Text öffentlich vom Altarraum aus verlesen hat wenn er etwas kleinlaut anfügte:“ Du siehst, o Gott, wie weit es mit mir gekommen ist…“ Allerdings ist man für seine eigene Flucherei auch selbst verantwortlich. Er hätte besser sagen sollen: “Wer kann mir helfen, da ich derart in den Kreislauf der Rache und des Fluches hineingeraten bin….und nicht mehr herauskomme?“

Die zahlreichen anwesenden Priester und Seelsorgerinnen-hätte nicht einer oder eine  von ihnen diesem in innere Gefangenschaft geratenen Menschen beispringen können, ihn umarmen und ihm den Weg da wiederum heraus zeigen müssen? Schon auch deswegen, weil Flüche ansteckend wirken wie eine Seuche. Sollte ein Täter im Dom gewesen sein, der unter schweren Selbstvorwürfen leidend diese öffizielle Verfluchung hört – wäre es nicht verständlich, wenn er sich gleich selbst umbringt?…

Missbrauch ist eigentlich eine dämonische Sache. Sie übersteigt die Frage nach der gerechten“ finanziellen Abgeltung bei weitem. Sie beschmutzt den heiligen Kirchenraum eines Domes und ruft nach Reinigung. Christen dürfen niemals irgendjemanden verfluchen Das gesamte Leben Jesu widerspricht der Verfluchung anderer und auch der Rache, denn diese führt nirgendwo hin.

                           
                                       
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