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Zölibat einmal andersherum betrachtet ...! Unter den antikirchlichen Reizworten nimmt der Zölibat eine Schlüsselstellung ein. Zölibat bedeutet, dass Priester nicht heiraten dürfen (und auch sonst sexuell völlig enthaltsam leben müssen). Zuwiderhandlungen haben den Amtsverlust zur Folge. Das alles ist bekannt und seit rund 800 Jahren Kirchengesetz. Beginnen wir deswegen andersherum als üblich. Fragen wir: Wen geht überhaupt der Zölibat etwas an? Sicher nicht in erster Linie die Priester selbst. Sie haben ihn ja freiwillig übernommen. (Möge er ihnen leicht fallen! Mögen sie glücklich sein!) Aber schon die Freundinnen und Frauen, die das Leben der Priester begleiten, sind da viel gewichtiger. Wie sollen sie begreifen können, dass Gott die Liebe ist wie es im Neuen Testament heisst, sie selber aber wegen ihrer Schönheit oder Sinnlichkeit eine einzige Versuchung für den Priester darstellen, wie man vermutet? Da gibt es gar nichts schöngeistig herumzureden: Rund um den Amtszölibat liegt nicht nur ein Segensbereich (wie Fromme meinen), sondern auch ein Leidensbereich, wie Realisten wissen. Dann sind an zweiter Stelle die Priesterkinder zu nennen. Sie werden meistens verschwiegen. Niemals offen Vater sagen zu dürfen, sich stets mit Titular - Onkeln abfinden zu müssen und sich im Wagen des Priestervaters tunlichst niederzubeugen, wenn die Ampel allzu lange auf Rot stehen sollte ... das ist kein guter Start ins Leben. Natürlich könnte heutzutage ja der Priestervater die Kindesmutter heiraten aber dann ist der Priestervater, der ausbildungsmässig nur Priester in Theorie und Praxis gelernt hatte, seinen kirchlichen Posten los und nicht leicht vermittelbar. Wovon soll er leben, wovon seine Frau und Kinder? Das AMS ist ratlos: Wer braucht schon einen Priester in der Firma? Über der jungen Familie liegt daraufhin eine Frage: Wer von uns ist schuld, dass unser Vater wie ein Dummerl in der Gesellschaft herumzuirren beginnt? Wer? Sensible Kinder beginnen die Schuld bei sich zu suchen. Oder man beginnt zu heucheln, es sich zu richten. Damit man den Posten nicht verliert. Warum tut sich die Kirche mit der Liebe Gottes, die sie repräsentieren soll, so schwer? Antwort: Weil diese ihre alte Vision so großartig ist, dass man sie auch nicht teilweise aufgeben kann. Meint man. Weil wir leider noch immer Verständnis dafür aufbringen, wenn Frauen abgewertet, Sexualität geringgeschätzt wird, nur um Gott im Himmel unsere Liebe und Verehrung zu erweisen? Viele finden heute eher, dass Hände, die zum Gebet erhoben werden sollen, zuerst einmal Frauen und Kinder gestreichelt haben müssen. Dass es ziemlich gleichgültig ist, wie jemand Sexualität lebt (ehelich, hetero, homo-), wenn nur Glaube, Hoffnung und Liebe in seinem /ihrem Leben passieren. Wir können durchaus auch enthaltsame Lebensformen achten, aber wir wollen es nicht weiter mit einem Amtszölibat zu tun haben, den wir nicht wirklich brauchen, der uralte Altäre verwaisen lässt ... Ein Umdenken hat eingesetzt... Wegen dieser vielen Perspektiven, die hier nur angetupft werden können, lohnt es sich, den Zölibatskonflikt lösen zu helfen, Denn keine Sexualität kann nicht die Lösung für Sexualitätsprobleme unserer Zeit sein ... |
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