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          Die offizielle Sackgasse

Vor einiger Zeit gab’s in Kreuz und Quer eine Sendung zum Thema (Kirchenkrisen etc.). Vor der Diskussion war Herr Kardinal Schönborn am Bildschirm. Er hat so unumstößlich wie noch nie folgendes gesagt: Wir brauchen über die Frauenpriesterweihe überhaupt nicht diskutieren, denn dieser Fall ist von Johannes Paul II ein für allemal negativ entschieden worden. Unumstößlich. Niemand kann etwas ändern. Das eigenartige an dieser Sache ist, dass dieser Entscheid nicht mit menschlicher Vernunft begründbar ist. Denn, wenn schon Frauen keine Priester werden dürfen, weil beim Abendmahl angeblich nur Männer anwesend waren, dann wäre es auch logisch, wenn nur beschnittene Juden Priester werden dürfen, denn es waren ja auch keine Nichtjuden beim Abendmahl. Auf diese Art und Weise geraten wir in das Zentrum einer ausweglosen Situation. Man muss die Vernunft völlig übergehen um einen solchen Glauben aufrecht zu erhalten. Ist alles schon mehrmals in der bekannten Geschichte geschehen. Weißhaarige Mitglieder unserer Gesellschaft erinnern sich sicher noch .

Also gut, was werden jetzt die Frauen machen, die anerkannt sein wollen in der Kirche? Was ihr gutes Recht ist. Die werden jetzt in Einserreihen vor der Sakristei warten, bis der Vatikan Vernunft angenommen hat? Das werden die sicher nicht tun. Aber wer kann hellen Geistes derartiges bejahen?

Das wirklich erschütternde war, dass die Gesprächsrunde mit Ausnahme von Schüller und Zulehner sich einig war, dass es daher überhaupt keinen Sinn habe, die Frage „Frauen in der Kirche“ weiterzutreiben, alles Zeitverschwendung und Energieverlust. Es erhebt sich also die Frage, wohin sich der Drang zu einer Entwicklung der Kirche verschiebt, wenn sie sich nicht entwickeln darf?

Aus therapeutischen Gründen kann man nicht dafür sein, derartige Staumauern zu errichten. Die Erfahrung aus 100 Jahren Psychotherapie mindestens, lehrt uns, dass jede Staumauer einen Rückstau erzeugt und anschließend zu einem katastrophalen Dammbruch führt. Wenn man also die Leute dieser Diskussionsrunde, die das mit Gelassenheit zur Kenntnis nahmen, fragt, ob sie das wirklich wollen, ob sie wirklich wollen, dass ein Teil der Kirche altkatholisch wird oder evangelisch, oder orthodox, oder gar nichts oder neuheidnisch, dann nur fest Staumauern bauen. Den Leuten ist eigentlich diese ganze Kirchendebatte egal, denn sie hat gar nichts mit Jesus zu tun. Auch nichts mit der frühen Kirche. Irgendwas hat sich entwickelt und ist falsch gelaufen und dann ist das herausgekommen, was ich eine Sackgasse nenne, aber die hat es in sich. Anders als in früheren Jahrhunderten macht sie sich durch das Internet bekannt. Leute sind nicht mehr stumm, sondern teilen sich mit und treten aus der Kirche aus oder melden sich um. Das geht ganz leicht. Man geht nur auf das Bezirksamt und erspart sich in der Folge Geld. Staumauern kann man leicht aufstellen. Diese Kolumne soll eine Warnung sein. Wenn es heißt Dialog statt Streit: man kann mit niemandem einen Dialog führen, der keinen Spielraum hat. Das ist ein für alle mal entschieden.

Manchen Christen der Konzilszeit wird das ganz unglaublich vorkommen. Sie werden kaum glauben können, was die Medien ihnen vermitteln. Aber es lässt sich ganz leicht verifizieren. Vorläufig kann man das noch. Wenn die Umschreiber der Geschichte kommen, kann man das nicht mehr. Deshalb: die Begründung dieses „ein für alle Mal“ ist unsinnig. Die Vorgangsweise ist nicht in Ordnung gewesen. Jeder, der Kirchengeschichte studiert kann ähnliche Fälle aufspüren, die einfach nur durch die Zeit gut geworden sind, aber nicht durch Dogmatik. Man kann ja noch hinnehmen, dass es bitter ist, Vorurteile in berechtigte Urteile umwerten zu müssen. Wer also wird uns zu einem neuen Konzil begleiten. Und wer wird die alten Kräfte hindern, bei diesem neuen Konzil dominant aufzutreten? Die Winkelzüge jeder Bürokratie sind geradezu wundervoll kreativ. In dieser Situation stehen mehr oder weniger alle engagierten Christen Österreichs, ob sie wollen oder nicht wollen. Das Kirchentheater nimmt langsam ein Ende, weil die Akte langsam alle gespielt sind.  Als ich vor langer Zeit bei einer Diskussion mit der Redaktion von „Jasmin“ saß, sagte der damalige Schriftleiter zu uns: Die Süddeutschen und Österreicher sind ein seltsamer Menschenschlag. Sie sitzen im Theater als Zuschauer und stehen gleichzeitig auf der Bühne und spielen sich was vor. Langsam beginne ich den Herrn Schriftleiter immer mehr für seine Scharfsichtigkeit zu bewundern. Aber, weil es Internet gibt, weil es Prozesse gibt, weil es Demokratie gibt, gibt es auch mehr Freiheit als je. Und weil es Psychotherapie im guten Sinne gibt, gibt es auch den Blick in einen Abgrund, der nichts Gutes verheißt.

                           
                                       
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