| EIN
GANZ STARKER AUSDRUCK Die gegenwärtige Auseinandersetzung in der katholischen Kirche hat nichts mit Schönborn gegen Schüller zu tun (gleichsam als eine Reminiszenz an Qualtingers Kapfenberg gegen Simmering), sondern ist ein Jahrhundertthema. Mißverständnisse sind fast vorprogrammiert. Was da zu Tage tritt ist kostbar und längst fällig gewesen! Was also Helmut Schüller und seine 350 Mitstreiter (alles ausgewiesene Kleriker, die wissen, wovon sie reden!) fordern ist überhaupt nicht neu, oder erstaunlich. Sie fordern die Deckungsgleichheit von Kirchengesetzen und der Menschenrealität.Das Reizwort Ungehorsam ist so neu nicht- denn alles was zB vom Konzil her erlaubt, ja sogar geboten worden ist, war zunächst verboten und unter Strafe gestellt. Man könnte sogar fragen, ob jemand, in einem System das dem der Kirche ähnelt gehorsam sein kann, wenn er nicht auch partiell ungehorsam ist. (Ähnliches hat auch der legendäre Tiroler Landeshauptmann Wallnhöfer über seine Regierungsarbeit verlauten lassen. Im kleinsten Kreis.- versteht sich) Die Pfarrer sprechen also nur aus, was alle wissen, die praktisch in der Kirche mitarbeiten . Daher braucht es eine Veröffentlichung der Kirchenrealität, um die Kluft zwischen OBEN und UNTEN zu schliessen. Oben die Gesetze und Unten die Praxis, das ergibt eine starke Spannung und die pure Heuchelei. Der Daraus folgende Glaubensalltag macht auf die Dauer psychisch krank Seit Erwin Ringel ist das psychiatrisch und verständlich beschrieben. Die Pfarrer heucheln alle sagen die Leute. Da ist was dran - aber was sollten sie tun, die Pfarrer? Beispiele dazu? Das Verbot der Pille durch Papst Paul VI wäre das griffigste. Ein weiteres wäre das Verbot der Selbstbefriedigung, der vorehelichen Beziehungen, das Verbot der Kommunion für Wiederverheiratet - Geschiedene (niemand kanns kontrollieren!), der Teilnahme an ökumenischen Gottesdiensten samt Kommunion, der liebevollen Gemeinschaft mit einer Frau (selbst strenge Päpste hielten ohne eine solche Gemeinschaft kaum ihren Alltag aus)-was also soll der Amtszölibat, rückt nicht alles von den Schreibtischen der Kurie weg und zurück in das Gewissen der Christen? Ist das nicht ein wunderbarer Vorgang? Wir müssen hier abbrechen, das Thema ist derart umfangreich, dass Andeutungen genügen müssen. Aber ein Anfang des Umdenkens ist gemacht. Jedenfalls: Die Pfarrerinitiative hat recht. Das muß man auch vom therapeutischen Blickwinkel aus sagen und auch das ist nicht neu. Ob sie erfolgreich sein wird, wird sich zeigen. Solidarität war schon immer eines sehr schwierige Sache im Klerus. Aber es bleibt der altbekannte Trost: Nur wer schläft sündigt nicht! Die Pfarrer jedenfalls sind aufgewacht! |
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