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          Ein Pflegefall

Die Pflege ist selber zu einem Pflegefall geworden. Unter die Dornen des bürokratischen Regelwerkes gefallen droht sie die Pfleger zu ersticken und die Hilfsbedürftigen zu schädigen. Orientieren wir uns am Duden – das Standardwerk der Rechtschreibung lässt dem Wort «Pflege» das Wort «Pflicht» folgen.  Danach folgt „Pflock“.Das kann als Hinweis gelesen werden: Es gibt eine Pflegepflicht den Mitmenschen gegenüber und wir sind  an diesen Wert angepflockt, weil es ein Menschenrecht auf gute Pflege in der Not gibt. Was immer daran schwierig sein sollte, wir kommen nicht los davon.

Die Tatsache aber, dass wir überhaupt ein Pflegeproblem haben, kommt davon, dass wir uns um „Pflege“ bemühen. Dass es eine „Grauzone“ rundherum gibt (Kurier vom 4.8.2006), ändert nichts daran, dass „Pflege“ wie ein kostbares Relikt aus der europäisch-christlichen Tradition, in unsere  kapitalistische Welt hineinragt. Es stört. Es ist nicht marktkompatibel! Bringt keine Renditen! Weil ja auch Alte, Kranke und sozial Abgestiegene störend wirken, nicht an der Börse handelbar sind und mitunter schwierige Menschen sind, Denn sie haben Schmerzen, haben Angst und stehen oft vor dem Tod. Das macht alles schwer. Das reibungslose Funktionieren unserer Lebensplanungen kommt ganz durcheinander. „Jetzt haben wir gerade den Urlaub gebucht ...!

Zwar weht über manchem Wellnestempel ein flotter Wimpel mit dem Motto: „In der Mitte Ich!“, aber dieser muss sich  sich  sofort bei jeder Pflege umdrehen, denn deren Wesen ist, nicht auf das Ich  der Pflegenden, sondern auf das Du der Pfleglinge bezogen zu sein. „In der Mitte Du!“ oder „Ihr alle“  müsste jedenfalls auf dem Pflegewimpel stehen.

Das sind nur ganz rudimentäre Hinweise. Damit wir nicht übersehen, wie weit wir trotz allem in den letzten 500 Jahren gekommen sind und wie groß der vielfältige Einsatz für die Pflege ist. Und vielleicht sollten alle, die jetzt nicht mehr wissen, wie sie die Pflegekosten aufbringen können tun, worüber sie bereits diskutieren:, Wirklich ihren Pflegling im Wagerl vor das Parlament schieben, damit ihnen unbürolratisch geholfen wird!  Das heisst: Endlich Arbeitserlaubnisse erteilen, Steuerbefreiungen gewähren, denen Ansehen verschaffen, die ihren eigenen Lebensplan  zugunsten von Opfern ändern. Es sind Menschen, die ganz ähnlich wie die berührten Finanzbeamten einfach Güte und Hilfsbereitschaft kennen und sich  nicht mittels irgendeiner kapitalistischen Ideologie über Bedürftige hinwegsetzen. Es sind viel, viel mehr Menschen, die so im Einsatz stehen.

                           
                                       
         
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