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zu einem Artikel: Warum ist das Papsttum so umstritten?
Samt Hinweisen zu einer fälligen Entlastung ... Geht man zum Tagesgeschehen rund um den Papst und die Kurie auf einige Distanz, so zeigen sich bedenkliche Fakten, die das jetzige Papsttum bestimmen.. Nehmen wir uns die Mühe, darüber nachzudenken, denn diese bedenkliche Fakten sind es auch, die seit Jahrhunderten ganz ähnlich wie bei einem irritierten persönlichen Lebenslauf dazu neigen, verdrängt zu werden. Weil sie unstimmig sind, weil sie auch Gläubige schmerzen. Für dieses Phänomen ist Die Wiederkehr des Verdrängten ein Wortprägung aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds zutreffend. Sie bezeichnet ziemlich präzise den gemeinten Vorgang. Man begegnet plötzlich einem Menschen oder einem Umstand oder einer Sache, die man längst für überwunden oder erledigt oder bewältigt gehalten hat. 1. Wir leben in einer Zeit, in der das ehemals Verdrängte der Papstgeschichte in das helle Licht des medialen Bewusstseins rückt. Nichts kann die Kirche mehr insgeheim tun, alles wird bekannt und kommentiert. Das ist kein böser kirchenfeindlicher Vorgang, sondern der Beginn einer Heilung der Vergangenheit. (ganz ähnlich dem Erinnern in der Psychotherapie). Obwohl das alles ein innerkirchlicher Vorgang zu sein scheint verdient er nicht nur Insiderinteresse, sondern auch die Aufmerksamkeit derjenigen, die therapeutisch, pädagogisch oder politisch mit der Sorge um den Menschen befasst sind. Deshalb nenne ich diese Punkte sachlich (so gut es mir möglich ist). 2. Das 1. Vatikanische Konzil definierte 1870 folgendes: Mit Zustimmung des heiligen Konzils lehren wir und erklären wir es für einen göttlich geoffenbarten Glaubenssatz, dass der römische Papst, wenn er ... kraft seiner höchsten Apostolischen Gewalt ...eine Lehre über den Glauben oder die Sitten entscheidet....daß solche Entscheidungen ...aus sich selbst und nicht durch Zustimmung der Kirche unveränderlich sind. Wenn wir uns diese dem Papst zugeschriebene Machtfülle verdeutlichen, dann staunt man. Kann eigentlich ein Mensch und wenn er noch so heilig, intelligent und kooperationsbereit sein sollte, diese Aufgabe erfüllen? Das ist einmal offensichtlich nicht möglich wie die Geschichte zeigt. Auch der Papst ist nur ein Mensch. 3. Überdies: Von Petrus dem Fischer bis zum Apostel Paulus und weiter 1900 Jahre bis Benedikt XVI. ist eine lange Zeit vergangen und darin stecken verdrängte Entwicklungen und Probleme, die sich erst in einer Art Wiederkehr so zu zeigen beginnen, dass die Gesamtkirche sie einfach wahrnehmen muß. Sie kann immer weniger wegschauen. Das beginnt 4. zuerst mit einer Lüge, die man freundlicher Weise Legende nennt und zeitgeschichtlich begründet. Sie besagt, Jesus habe dem hl. Petrus den Kirchenstaat geschenkt und noch ein bisschen drüber hinaus die ganze Welt: Südamerika, Europa, Indien etc. Das gehöre zu seiner päpstlichen Vollmacht sagte man.. Dass diese Legende, obwohl eindeutig eine Fälschung sehr geschichtsmächtig war und keineswegs nur eine Spielerei der Höflinge ist, dass sie dazu benutzt wurde den Papst auf einen Thron zu setzen, mit einem Staat zu umgeben und ihn bis in unsere Tage mit einer staatlichen Autorität zu umkleiden, die im Grunde in der Luft hängt, weil sie lediglich glatt behauptet wird, ist der schwierige Punkt. Bis heute gibt es diesen Vatikanstaat . Er übt bei Unokonferenzen Macht aus.....Viel Gutes kann so geschehen, aber eben nicht nur Gutes! (Siehe Menschenrechte, Rechte der Wahrheit und des Irrtums, Abtreibungsfrage, Frauenfragen). Flugs ist man aus dem spirituellen Bereich heraus in denjenigen der beinharten Tagespolitik hineingeglitten. 5. Das setzt sich fort mit dem verdrängten Konzil von Konstanz (1414-18). Es war ein Unionskonzil und sollte die durch 3 streitende Päpste zerstörte Einheit der Kirche wieder herstellen. Das ist auch wirklich geglückt . Konstanz setzte die drei konkurrierende Päpste ab und wählte einen neuen, nämlich Martin V. Das Konzil war darin erfolgreich und ist in der langen Kirchengeschichte wahrscheinlich damit konkurrenzlos. Damit dieser Erfolg nicht wiederum verspielt wird, verpflichtete es den Papst und die Kurie dazu, sich hinfort alle 5 10 Jahre von einem Konzil supervidieren zu lassen (würde man heute sagen). Alles unter feierlicher Androhung des Ausschlusses aus der Kirche für alle Zuwiderhandelnden welchen Standes sie auch sein mögen. Also: Papst inklusive. Aber umsonst: Papst Martin V. kaum gewählt, befolgte diesen Beschluß natürlich nicht und so sind alle seine Nachfolger, wenn man es pingelig juridisch nehmen will, illegitim. Eigentlich aus der Kirche ausgeschlossen. Wenn man das alles und Zeitumstände dazu kennt, dann kann man die Gelassenheit verstehen, mit der zum Beispiel Abweichler wie die Piusbruderschaft auf eine päpstliche Exkommunikation reagieren. Schließlich mündete 6. dieser ganze schwierige Prozess um die Anerkennung des päpstlichen Amtes in eine katastrophale Entweder- Oder Position der Kirche. Entweder du glaubst oder du glaubst nicht.! Das besagt: Du glaubst mit dem Syllabus des Pius IX (1859) Der Papst und die katholische Kirche (samt Kirchenstaat ) sind gut, die moderne Zeit samt Demokratie, Menschenrechten, Wissenschaft und Wahlrecht für alle ist natürlich schlecht. Durchschimmernder Grundstandpunkt aller Fundis in der Kirche. 7. Diese ganz groben Skizzierungen, die von Fachleuten leicht im Detail beeinspruchbar sind, machen dennoch für unsere Frage deutlich, · wo die verdrängte Wahrheit sitzt: nämlich dort, wo das päpstliche Amt immer mehr zum Zentrum der Kirche wird und die mit Macht angereicherte Kurie einfach den Kurs der Kirche um 180 % nach hinten dreht hin zu einer glorreichen Vergangenheit und weg von einer gottlosen Gegenwart. · Sie machen auch deutlich, wieso das 2. Vatikanische Konzil so nachhaltig und wirkungsvoll bekämpft wird. · Sie machen auch deutlich, wieso Papst Johannes XXIII eine Sensation auslöste als er sagte: Die Unglückspropheten reden unablässig davon, dass im Vergleich zur Vergangenheit die Gegenwart schlechter und schlechter wird. Wir aber sehen die Menschheit in eine neue Ordnung eintreten und erkennen darin einen göttlichen Plan. Das war zu Beginn des Konzils etwa 1960. Sagen wir also nochmals: Um dieser Korrektur einer depressiven, regressiven Mentalität willen berief Johannes XXIII das 2. Vatikanische Konzil ein und deswegen aber wird gerade dieses Konzil vom gegenwärtigen Papst Benedikt XVI und den Fundis der Gegenwart scheibchenweise demontiert. (Wenn wir nicht höllisch aufpassen, könnte es so gehen, wie mit dem Konzil von Konstanz eines Tages ist es sozusagen toter Buchstabe geworden.) 8. Ein schönes Beispiel verdeutlicht uns, wiesehr immer breitere Gruppen von Christen diese Gefahr bemerken und immer ungeduldiger und kritisch aufmerksamer werden. Es war ein stinknormaler 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B, gewesen. In einer Kirche versammeln sich erwartungsvoll Menschen, denn abgesehen von der Messfeier Jesu Christi gab es noch die Messfeier nach Joseph Haydn. Seine Mariazeller Messe war zu hören. Wer wollte sich da nicht freuen. Alles war gut und nichts war negativ. Wie könnte Joseph Haydn auch negativ sein? Und der Kirchenchor samt Solisten und Orchester und der bemühte Dirigent... Nein! Joseph Haydn ist positiv und Mariazell ist überhaupt ganz positiv, von wegen Die große Mutter Österreichs! So könnte man traditionellerweise denken und fühlen. Die stärkste Erschütterung dieses Wohlgefühls kam durch die Predigt. Sie handelte von Abgründen unter unserer Kultur, die urplötzlich aufbrechen könnten. Die erste Lesung legte hier ein Schäuferl nach: Sie schloss nämlich mit einer Drohung: Ein Prophet, der sich anmaßt in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe ... ein solcher Prophet soll sterben! (Dtn. 18, 20). Erschrecken breitete sich aus: Irrlehrer, Häretiker, Ideologen aller Art - sicher sind auch sie falsche Propheten - sie also sollen sterben!? Ein Tonfall, den man eigentlich von fanatischen Talibans erwarten würde. Gleich darauf folgte die 2. Lesung aus dem 1. Korintherbrief des hl. Paulus. Wieder in fanatischem Tonfall. Paulus wendet sich an seine Brüder. (Wo bleiben die Schwestern?.) Und er schreibt: Ich wünschte, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn. Er will dem Herrn gefallen!... Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt ... so ist er geteilt! Die unverheiratete Frau und die Jungfrau aber sorgen sich um die Sache des Herrn. Um heilig zu sein an Leib und Geist. Die verheiratete Frau sorgt sich um die Dinge der Welt. Sie will ihrem Mann gefallen! Das sag ich zu eurem Nutzen!, setzt Paulus noch hinzu. Der Prediger mit seinem Hinweis auf die Abgründe unter unserer Kultur hat vermutlich ein Wahrwort gesprochen. Er sprach die unglaublich anwachsende Spannung an, die sich aufgestaut hat. Denn 80% der Kirchenbesucher und Kirchenbesucherinnen in dieser Kirche waren natürlich verheiratet und also als bedauerliche, abgründige Geschöpfe zu sehen, die sich um die Dinge der Welt sorgten und Männer und Frauen umgarnten, mit denen sie verheiratet waren? Einzig die Priester am Altar und ein paar Aktivistinnen nicht... Waren die etwa gemeint mit den unverheirateten Frauen und Jungfrauen? Auf jeden Fall: Die Gemeinde war gespalten in 90% zu 10% und obendrein als religiös schwer daneben lebend aufgedeckt worden? Oder? 8.
Beim Hinausgehen war man umgeben von Verheirateten, Trotz
der Schönheit der Mariazeller Messe von Haydn kam wegen
der Texte der Lesungen Unmut auf. So ist eben
die Ordnung der Kirche, hieß es. Also: Was von
dieser Ordnung zu halten ist, wie man der Spannungen, die
sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufbauen Herr
werden kann. das liegt wieder einmal
in Rom Wo so vieles von dem liegt, was den
Kirchenalltag schwer macht: zB die Frauenfrage
etc etc 9. Dieses Beispiel ist so simpel wie wohlbekannt, dass es sich lohnt weiter nachzudenken. Offensichtlich befindet sich der Papst mit seinem Mitarbeiterstab direkt in der Tradition des Apostels Paulus. Eigentlich auch in der Tradition des Alten Testaments. Und wenn man es genau betrachtet auch in der Tradition des Korans, der 700 Jahre später noch demselben kleinasiatischen Bereich entstammt und eine vergleichbare Mentalität vertritt, die mit der Aufklärung und der modernen Gesellschaft überwunden sein sollte. Diese bestimmt alles, was Männer und was Frauen betrifft. und was es heißt Gott zu gefallen, Aber: Das war schon vor 1400 bis 3000 Jahren so. Wer aber bestimmt das für heute? Der rückwärtsgewandte Papst und seine Weihbischöfe, die sich vor Mädchen rund um den Altar schrecken? Oder scheuen? Oder diese vielleicht gar nicht so wirklich mögen, außer sie sind Kirchenjungfrauen? Der Papst gibt jedenfalls Sicherheit, sagen konservative Gläubigen. Er ist derart inspiriert, dass er die Kirche nicht braucht, um sein Amt auszuführen sagen Ideologen Was allerdings geschehen soll, falls ein Papst unglückseligerweise allmählich geisteskrank oder ähnliches werden sollte, vermag eigentlich niemand zu sagen. Wer soll ihn diagnostizieren? Wer dem Papst eine Amtsunfähigkeit mitteilen ? Ein Unglücksfall wäre das für die Rückwärtsgewandten. Ein veritable Sackgasse ist es, in der man angekommen ist. (Was Karl Rahner selig zu der Äußerung veranlasst haben soll: Einen solchen Unglücksfall wird Gott nicht zulassen) 10. Wenn wir also nicht wollen, dass eine Entwicklung von 2000 Jahren kurzerhand negiert wird und wir abermals einverstanden sein sollten, dass falsche Propheten getötet werden und Frauen besser nicht heiraten sollten um dem Herrn zu gefallen und Verheiratete eigentlich Christen zweiten Grades sind... Wenn wir also die Spannungen und Kontroversen des 2. Vatikanischen Konzils begreifen wollen, so führt dieser Versuch zu diesem verdrängten Rest: Wie stellt die Kirche es an, dass sie mit dem päpstlichen Machtverhältnis samt der Last der Geschichte ehrlich zurecht kommt und durch alle Rechtsbrüche hindurch bis zum Petrusamt vorstoßen kann und doch das synodale Prinzip, die Versammlung der Christen im Konzil ebenso ernst nimmt wie das Papstamt. 11. Man kann schon jetzt sicher sagen, dass dieser Prozess garantiert Schmerzen erzeugen wird, Unsicherheiten auslösen und den schönen Himmel der Mariazeller Messe von Haydn gewaltig stören wird. Es geht aber leider nicht anders weil man mit verstimmten Instrumenten auch die schönste Haydn - Messe nicht musizieren kann und man kann das auch nicht, wenn alle verheirateten Sängerinnen die Kirche verlassen müssten, weil sie nicht wirklich dem Herrn dienen da können sie so schön singen wie sie nur wollen. Seinerzeit nahm man da lieber Kastraten an ihrer Stelle ... 12. Die heutige Wirklichkeit der Kirche ist also eine ganz andere. Sie wird ob derartiger Fixierungen ungeduldig, unwillig. Sie lebt ja in lebendigen Gemeinden überall, sie lebt immer mehr ökumenisch, kennt den Einsatz von Frauen und Männern mit und ohne Partner, kennt natürlich auch den Versuch in einer zumutbaren Ordnung miteinander zu leben. Sie will dem Wort des Papstes Johannes folgen, dass die Menschheit in eine neue Ordnung hineintritt und die Kirche mitten drinnen. Das alles ist eine Perspektive des Glaubens, die auf dem Konzil bis zum Geht nicht mehr diskutiert worden ist und die man nicht einfach mit klerikalem Machtgehabe übergehen kann. Deshalb ist es ja logisch, dass das Kirchenvolksbegehren ein prophetischer Vorgang war und die Abschmetterung dieses Vorganges durch die römische Kurie ein katastrophaler Irrtum und Schaden für die Kirche war. Es wird nicht schwer sein, den Mut aufzubringen bedenkliche und fundamentalistische Positionen in der Bibel unbeachtet zu lassen statt sie vorzulesen, anzuhören und darauf noch Dank sei Gott zu sagen. Das wird langsam und stetig zu einem Exodus der Betroffenen führen und zuletzt können ein paar Seelsorger (mit ein paar Kirchenjungfrauen) eine Mariazeller Messe feiern, aber die Kirche wird dann ziemlich geleert sein. Weils wahr ist! Wenn man uns Lebenden raten darf, dann gilt es, sich auf diese großen Vorgänge innerlich einzustellen, frei zu werden von altgewohnten Anhänglichkeiten. Damit wir nicht vermeintlich falsche Propheten umbringen und körperlich liebende Menschen hinaus drängen. Das alles ist mit den Fragen nach dem Hintergrund des Papstamtes verbunden.
Siehe dazu auch: Dr. Richard Picker Heiliger Spagat, Handbuch für das Kirchenvolksbegehren, Wien, 2001, |
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