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          In der „Aufklärungsepoche“ leben lernen

So wie man irgendwie in der Monarchie oder auch unter dem Kommunismus leben musste, bleibt europäischen Christen nichts anderes übrig, als heute in einer Periode der Aufklärung zu leben. Sie mag vielleicht bereits im Abklingen sein. Ein heraufdämmerndes restauratives „Zeitalter der Religionen“ ist von manchen schon gesichtet worden – die Aufklärungsperiode hat uns dennoch alle geprägt – ob  wir das so wollen, oder nicht. Sie sitzt sozusagen fest in unseren seelischen Eingeweiden.
Deshalb ist es sehr erheblich, ob wir uns klar machen können, woher ihr zeitgeistiger Wind weht und warum überhaupt die alte katholische  Kirche so viele Vorbehalte gegen die junge Aufklärung anmeldet.
Weil aber „alle Theorie grau ist“, wenden wir uns typischen Begründungen für diesen Sachverhalt zu:
„Alle Gewalt gehrt vom Volke aus“ steht z.B in unserer staatlichen Verfassung. „Alle Gewalt geht von Gott aus“ lehren uns aber die Paulusbriefe des Neuen Testamentes nicht ohne Hinweis auf die negative „Gewalt der Finsternis“ und auf Jesus, dem „alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ gegeben ist, wie es im Matthäusevangelium am Ende heißt.
Frage: Wie lösen wir diese Spannung konkret auf? Sind zB die gewählten Pfarrgemeinderäte nicht am Ende viel zeitgemässer (=Gewalt vom Wahlvolk) als die bischöflich ernannten Pfarrer (Gewalt von Gott durch die Apostel)? Unzählige Konflikte rund um die „Amtskirche“ haben hier ihren Ursprung.
„Wir sollten uns eine neue, zeitentsprechendere Kirche bauen“ sagte ein Industrieller auf einem Kongress. Er war ein getreuer und logischer Aufklärer. Ein „Macher“ in der Wirtschaft wie in seinem Glauben. Aber:
„Niemals dürfen und können wir ein eigenes religiöses  Gebilde („Kirche“) errichten. Das steht uns nicht zu!“ sagen die Gegner der Aufklärung. Sie folgen den Worten des Bischofs Krenn anlässlich der Konflikte um seine Weihe: „ Wenn ich einmal geweiht sein werde, müssen mir alle Katholiken gehorchen!“ Nichts wars da mit der „Gewalt, die vom Volke ausgeht“. Die Laien haben dem Klerus zu gehorchen. So ist die Ordnung nach dem alten Weltbild. Man muß zugeben, dass die Grundtexte der Bibel  zeitbedingt nach dem alten Weltbild abgefasst sind.
 
Die Folge:
In diesen Zwiespalt eingeklemmte Christen haben das 2. Vatikanische Konzil wie ein Wunder empfunden. Endlich fanden sie und der Papst Johannes XXIII. einen Weg aus der Sackgasse dieser Hinundherargumente heraus. „ Es wird schon nicht alles Neue schlecht sein!“ sagte der Papst damals.
Die Konzilsväter  nahmen die Aufklärung sehr ernst . Sie versuchten zu verstehen, dass es den Aufklärern auch um „Licht“ –  „Enlightenment“=Erleuchtung – ging. Es war zwar nur das „Licht der Vernunft“ – aber immerhin: Es war ein Licht, das in Mozarts „Entführung“ und „Zauberflöte“ eine so grosse Rolle spielen sollte. (ZB: „In diesen Heilgen Hallen kennt man die Rache nicht!“ und „Wen diese Lehren nicht erfreun, verdienet nicht ein Mensch zu sein!“) Es leuchtete immerhin fast dreihundert Jahre weiter.
Worin bestand nun das „Wunder des Konzils“?
·        Anstelle totgelaufener gegenseitiger Verurteilungen, versuchte man es mit dem „Dialog“.
·        Die Schätze der Liturgie und die Glaubenslehre der Kirchenväter besonders der ersten Jahrhunderte wurden neu entdeckt.
·        Berühmte und verdiente Namen aus dieser Bemühung: waren: Kardinal Henri de Lubac SJ, P. Ives Congar OP, Hugo und Karl Rahner SJ, die liturgischen Institute Mitteleuropas samt Josef Andreas Jungmann SJ,  Pius Parsch Can. Reg, sowie die grossen Theologen Heinrich Schlier, Erik Peterson, Romano Guardini und Hans Urs von Balthasar. Besonders erwähnt werden müssten engagierte Bischöfe, sowie die holländische, koptische und kleine österreichische Kirche .....uswuswusw.
Das nur zur Erinnerung.
„Die Kirche erwacht in den Seelen“ sagte Romano Guardini damals. Und die Enzyklika vom „Mystischen Leib Christi“ (Papst Pius XII) setzte den richtigen Akzent in das Kirchendekret des Konzils.
Was dabei für die ganze Welt herauskam war also:
·        Nicht das „Licht der Vernunft“ allein vermag uns zu retten, sondern  die Transformation der gesamten Welt ist bereits im Gange. Auf das Ur – Sakrament der Kirche, die der „fortlebende Christus ist“ kommt es dabei an.
Sollte man nicht mit Mozart singen: „Wen solche Lehren nicht erfreun...?“ Freilich  muß man sich die Zusammenhänge klar machen und geduldig bleiben.
 
Zum Bild: Es kommt nicht auf unsere persönliche Vernunft an, sondern auf unsere gemeinsame Verwandlung.

                           
                                       
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