| Leere,
Sinn und Spiritualität Abstrakt des Referates am 1. Tag der 7. Österreichischen Präventionstagung Ich
nähere mich den 3 thematischen Begriffen, die mir vom
Kongress zur Behandlung der Suchtproblematik vorgegeben
wurden, aus einer theologisch-therapeutischen
Perspektive.
2.Wenden wir uns dem zweiten Begriff, dem -<Sinn>-, von Sinnlichkeit herkommend, zu. Er entsteht wie von selbst wenn der Engpass mit seiner Leere durchlaufen und bestanden wird. Daher haben nicht wenige Therapeutinnen und Therapeuten das Diktum, das Freud zugeschrieben wird, adaptiert. Es lautet: Wer nach dem Sinn fragen muss, ist schon auf dem Weg zur psychischen Krankheit (weil er die Leere vermieden hat? Weil er ihr nicht zu begegnen wagte?). 3. Das dritte Wort <Spiritualität>, das wohl das schillerndste unserer drei Titelbegriffe ist, markiert für die meisten, die es gebrauchen das Überschreiten einer Grenze. Das Normalbewusstsein wird in die spirituelle Trance überschritten, das alltägliche Leben bis an die Grenzen des Erfahrbaren gedehnt um dort das bisher noch nicht Erfahrene, Neue, nämlich den Spiritus, den lebendigmachenden Geist, irgendwie zu spüren. Der oft zu beobachtende schwärmerische Charakter dieser Suche nach Spiritualität ist ein Zeichen der Hoffnung, die Menschen darin setzen. Allerdings ist das Neue des spirituellen Erlebnisses nicht die beliebige Fortsetzung des bereits Bekannten, sondern die respektvolle Entgegennahme der sich zeigenden Wahrheit oder der Gestalten von konkreten religiösen Offenbarungen. 4.Der Alkohol und sein Satellit, die Alkoholsucht, ist auf diesem Weg zunächst einmal hilfreich, löst er doch die muskulären sowie mentalen Verspannungen. Kollektiv genossen stellt er eine Gruppenenergie her, die es möglich zu machen scheint, durch die Leere in ein sinnerfülltes Dasein zu gelangen. Aber am Fuß des Leuchtturms ist es immer finster und so bleibt die abendländische Kultur der Gegenwart in der Pervertierung dieser Sinnsuche in einer entwürdigenden Sucht hängen. Der alkoholkranke Mensch ist wie in einem Bild zu sehen: Einem abgestürzten Bergsteiger gleichend, voll Schmerzen, voll irrationaler Bewusstseinszustände, voll Einengungen und wohl auch organisch und psychisch vom Tod bedroht, ist er zu Fall gekommen. 5. Wenn wir die Lebenserfahrungen exemplarischer Menschen zu Rate ziehen, so sehen wir viele individuell geprägte Handlungsanweisungen, die in der gänzlichen Entsagung vom Alkohol, in einer Parallele zur Leere von einem voll geglückten Diesseitsleben sozusagen in ein erahntes Jenseits zu gelangen hoffen. Diese Grenzüberschreitung ins Jenseitige des normalen Lebens ist ja die oft nicht so gesehene spirituelle Kraft, die man auch als himmlische Annziehungskraft bezeichnen könnte. Sie ist der Gegenpol zur Newtonschen Schwerkraft, der Anziehungskraft zum Erdmittelpunkt hin. 6. Dass Alkoholabusus deswegen auch immer ein spirituellen Geschehen ist, liegt mit diesem Zusammenhang auf der Hand. Dass ein menschliches Leben gründlich misslingen kann, obwohl Herz und Kreislauf in Ordnung sind, macht uns betroffen, gerade auch weil es so offenkundig ist. Gegen diese Angst vor dem Misslingen zum Alkohol zu greifen, heißt Öl ins Feuer zu gießen, heisst dem Zerstörerischen Raum geben. Die Angst vor der <Leere> führt an ihr vorbei erst recht zum Tod. Wenn wir diese kurze Überlegung auf einen Punkt bringen, so gilt es der Möglichkeit der Leere nüchtern und nicht alkoholisiert gegenüber zu treten. Sie ist der Gegenpol zu der Tatsache, dass es uns und den Kosmos überhaupt gibt. Und jede Psychotherapie und medizinische Therapie europäischer Tradition lebt aus dem Ja zur vollen Existenz und nicht aus dem Nein einer depressiven Resignation der auslöschenden Leere gegenüber. Deshalb geht es nicht nur darum, Suchtprävention zu betreiben, sondern auch die Leere in ihrem Zusammenhang mit dem Sinn und der Spiritualität zu begreifen. Was das bedeuten kann, wird uns das anschliessende Gespräch vermitteln. |
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