(Ein Vortrag auf dem Symposion des Referates Kult und Co der Tiroler Landesregierung zur Sektenfrage in Innsbruck am 7.11.2003.)Menschen auf der Suche nach SinnSie haben mich
eingeladen, der Sinnsuche im Menschen vom therapeutisch
theologischen Standpunkt aus nachzugehen. Zuerst
einige allgemeinerer Bemerkungen, ehe ich konkret werde. Die Sinnsuche scheint
ein wichtiger Aspekt, wenn wir fragen, warum Sekten
entstehen. Sie wird auch als Begründung für
Abspaltungen und Gruppenbildungen angesehen. Ob das
stimmen kann? Besonders deutlich ist
sie jedenfalls in jenen Epochen der Geschichte zu sehen,
in denen aus einem geschlossenen religiösen System Teile
herausgeschnitten wurden, um in dem kleineren Segment
einen religiösen Sinn besser suchen oder verwirklichen
zu können. Das war zum Teil bei den auswandernden
Pilgrim Fathers so. Auch in den ersten Zeiten des
Christentums war das so. Das ist nicht zu
verwechseln mit politisch, also machtmäßig motivierten
Spaltungen oder Zerspaltungen einer Ganzheit. (Die
Spaltung des Islam in Sumiten und Schiiten. Die
Spaltungen der katholischen Großkirche durch die
Reformation unter Beteiligung und maßgeblichem Interesse
der deutschen Landesfürsten.) Fazit: Viele Großgruppen
waren einstmals Sekten. Manche Sekten wurden
Großgruppen. Davon streng zu
unterscheiden ist jene Form der Abspaltung, die ich
Zusammenrottung genannt habe. Die verlorene Ganzheit
durch die Abspaltung schmerzt die Zurückbleibenden. Die
Abgespaltenen aber sind oft glücklich über die
gefundene kleinere Gruppierung. Sie können endlich so
leben, wie es ihrer Suche entspricht. Sie finden eher
einen Sinn darin, müssen aber mit der Schuld an der
Zerspaltung leben. Psychisch wird sehr oft Abspaltung von
einer Ganzheit als etwas Negatives erlebt. Umgekehrt wird
das Finden der eigenen Ganzheit und Zugehörigkeit
positiv gesehen. Das Warum dieser Wertung sprengt den
Rahmen dieser Zeilen bei weitem. Lediglich der Hinweis
auf die gefühlte Paralelle der körperlichen Ganzheit zu
jeder anderen Ganzheit und die Verletzung derselben durch
Amputation oder Krankheit sei hier angemerkt. Das
Bedürfnis nach Sinn zu suchen taucht - therapeutisch
gesehen - im Menschen dort auf, wo eine neurotische
psychische Krankheit entstanden ist. Die Folge dieser
neurotischen Prozesse ist ein verminderter Kontakt zu
sich selbst und zur Mitwelt. Dieser verminderte Kontakt
löst Unbehagen aus: Da stimmt doch etwas nicht,
wozu das alles? und mündet sehr oft in die
Schlussdiagnose: Welchen Sinn soll das
haben?. Sigmund Freud hat in diesem Zusammenhang
einmal gemeint: Wo nach dem Sinn gefragt wird, ist
der Mensch bereits psychisch krank. Das ist gewiss
keine wissenschaftlich verifizierbare Behauptung gewesen,
aber doch ein praktischer Hinweis, ja eine Beobachtung.
Wenn jemand sich selbst gefunden hat, wie man
umgangssprachlich sagt, dann ruht dieser Mensch im
Selbstkontakt in sich. Das hat eine derartige Evidenz,
die nicht hinterfragbar ist. Weil es offenbar so sein
soll und sich diese Übereinstimmung mitteilt. Es gibt
dazu eine kleine Anekdote, die ich ihnen nicht
vorenthalten will: Ein Wiener Kapellmeister hat den in
der Zwischenkriegszeit sehr berühmten Felix Weingartner
gefragt, wie schnell man die 5. Symphonie von Beethoven
spielen müsse. Wenn sie bei CD-Sammlern anfragen, dann
können die ihnen sicher 10 verschiedene Einspielungen
dieser Symphonie zeigen, die alle im Tempo variieren.
Felix Weingartner hat die Frage so beantwortet:
Herr Kollege, nächsten Sonntag spiele ich dieses
Werk. Kommen sie in den Musikverein, dort hören sie das
richtige Tempo. Natürlich ist das, was hier
richtig genannt wird, besser als
evident zu übersetzen und bedeutet, dass
Herr Weingartner mit sich übereinstimmt, mit seinen
Musikern, mit seinen Zuhörern und auch mit der Partitur
dieser Symphonie. Es
sei lediglich angemerkt, dass die Diagnose der
"Nichtübereinstimmung also der
beginnende Zerfall des Menschen in auseinander und
gegeneinander strebende Teile schon ein
Theologumenon ist. Ich spreche als Theologe vom
Standpunkt des katholischen Theologen aus. Ich sage das
ausdrücklich, weil auch ich der Meinung bin, dass man
bei jedem Überstieg aus dem therapeutischen Bereich in
den religiösen die eigene Ausgangsposition fairerweise
bekannt geben muss. Der
Gesamtprozess der gesellschaftlichen Entwicklung ist
dieser Theologie gemäss eine zunehmende
Personalisierung. Sie führt im Eschaton, also
zuguterletzt zu einer Grossgestalt Jesus Christus, die
alle und alles so einen wird, dass die ideale Balance
zwischen Teil und Ganzheit das Leben ausmacht und jede
Zerspaltung oder Übermächtigung des einen durch das
andere, weil tötend, ausgeschlossen ist. Deshalb
kann man von da her Erich Fromm zustimmen, der als ganz
wesentliches Kriterium aller Sinnsuche und aller
Religiosität die biophile oder nekrophile Tendenz der
ausgelösten Prozesse einfordert. Wohin führt der
eingeschlagene Weg ? Wäre ähnlich dem kategorischen
Imperativ von Kant ein wesentlicher Blickpunkt in der
Beurteilung von Sekten ... Es
gibt aber über Freuds Bemerkung hinaus genügend
Menschen, die keineswegs das Opfer ihrer eigenen
seelischen Beeinträchtigung sind, wenn sie nach dem Sinn
fragen, so z.B. Entwicklungshelfer in Ruanda oder Rot
Kreuz-Mitglieder in Bagdad. Diese Frage hat einen
Überblitz-Aspekt, wenn man sieht, wie ein Prozess, wie
z.B. in Bagdad entstanden ist, wie er sich entfaltet hat,
wie viele Opfer er gekostet hat und was dabei heraus
gekommen ist. Es stellt sich die Sinnfrage
gesellschaftlicher Art. Was hat das Leben für einen
Sinn? Was haben Befreiungskriege für einen
Sinn? Bleiben Menschen auf der Suche nach dem Sinn des
Ganzen, dann finden sie besonders in den alten
Weltbildern der Antike mythologische Erklärungen und im
gegenwärtigen Weltbild, das im wesentlichen auf der
Aufklärung und der Emanzipation des 19. Jahrhunderts
beruht, naturwissenschaftliche Erklärungen für das
Phänomen der Weltprozesse. Wer
also nach dem Sinn seines eigenen Lebens fragt, muss
nicht unbedingt ein Neurotiker sein, der den Kontakt
verloren hat zu sich und den Mitmenschen, sondern ganz
umgekehrt ein sehr wacher Mensch sein, der nicht glauben
kann oder will, dass die Welt schrecklich sein kann, die
Natur keineswegs nur gut und der Mensch neben allen
großartigen Leistungen ein mörderisches Wesen ist. Die
Sinnsuche versucht möglichst wach dem Phänomen der Welt
und der Geschichte der Welt zu begegnen und darin
entsteht eine religiöse Wahrnehmung. In dem Wort
Wahrnehmung steckt Wahrheit und von daher gesehen erleben
Menschen, die mit religiösen Phänomenen in Kontakt
kommen auch die Wahrheit, die in diesem Phänomen
erscheint. Diese
Suche nach der Wahrheit hat einen sehr oft absoluten
Charakter. Man kann beschreibenderweise sogar sagen, der
Mensch sei ein Wesen, dass zwischen der Schwerkraft als
irdischer Anziehung und einer Art himmlischer Anziehung
ausgespannt ist. Sehr
oft wird aus ideologischen Gründenh dieses Phänomen
zurückerklärt, um es besser handhaben zu können. Nicht
selten überschreitet der religiöse Aspekt die
Erklärungsmuster der Gesellschaft bei weitem, weshalb
die Erkenntnis der Wahrheit durch Wahrnehmung leicht zu
einer Art von Wahnsinn führen kann. Menschen auf der
Sinnsuche sind durch wahnhafte Täuschungen oder
wahnhafte Sinne beeinträchtigt. Deshalb sind sich alle
spirituellen Lehrer, die auf diesem Gebiet eine Erfahrung
haben einig, dass das gemeinsame Sinnsuchen einer großen
Gruppe von Menschen eine Art Konsens hervor ruft, der
normal bezeichnet wird und dass jede gewaltsame oder auch
bizarre Abweichung von diesem Konsens als wahnsinnig
bezeichnet wird. Wahnsinn aber ist nicht künstlerisch
schick zu sehen, wie mancher Zeitgeits
meinen mag, sondern konkret in das Tötende führend. Die persönliche Sinnsuche führt also direkt in die Frage, wie verhält sich der einzelne Mensch zur Menschheit überhaupt. Welchen Stellenwert hat er als Individuum der Ganzheit der Menschheit gegenüber. Sehr schön kommt das in dem so genannten Gestaltgebet von Fritz Pearls zum Ausdruck. Die Kirchenleute lieben es nicht sehr. Es lautet im Wesentlichen emanzipatorisch und idealistisch: Ich bin ich und du bist du. Ich bin nicht auf dieser Welt, um nach deinen Vorstellungen zu leben und du bist nicht auf dieser Welt, um nach meinen Vorstellungen zu leben. Ich bin ich und du bist du. Wenn wir einander begegnen können, ist das ganz wunderbar. Wenn das nicht geht, kann man auch nichts machen! Aber nur gemeinsam können wir die Weltprobleme lösen. Gelingt uns das nicht, gehen wir gemeinsam zugrunde. Dieser klassische Text der humanistischen Psychotherapie in ihrer Anfangsphase, 1960 etwa, spricht nicht von Autorität, nicht von Tradition, sondern von Kontakt und Begegnung von Ich und Du. Aber das war mit ihm zu zeigen, er endet bei der Gemeinsamkeit des Handelns. Nur gemeinsam können wir die Weltprobleme lösen. Es ist also nicht möglich, nur individuell zu existieren, es ist also die Großgruppe Menschheit notwendig. Das Problem für unsere Frage ist jetzt, dass jegliche Sektenbildung, obwohl begründbar und notwendig, auch das Einvernehmen mit der Großgruppe stört oder sogar sprengt. Ich wurde ersucht, für die folgenden Workshops einige Hin weise zu formulieren. Ich meine, aus therapeutischer Erfahrung kann man sagen: 1. Je größer die religiöse Gruppierung, je freier sind die einzelnen in ihrer religiösen Suche darin. Je kleiner die religiöse Gruppierung (Sekte), je kontrollierter sind die Mitglieder darin. 2.
Das angstfreie und möglichst druckfreie Klima der
Freiheit garantiert in religiösem spirituellem Bereich
am ehesten die Großkirche. Schon die Basisgemeinde einer
Großkirche und vor allem die von ihr getrennte Sekte
erhöhen den Druck auf den einzelnen immens. Deshalb auch
die oft zitierte Erfahrung: Hinein in die Sekte kommt man
leicht, heraus kommt man schwer! Der Grund liegt auch
dort, dass ganz unversehens die Identität der Sekte aus
der Abgrenzung gegenüber der ehemaligen Großgruppe
entsteht und nicht mehr aus der eigenen religiösen
Erfahrung gewonnen wird. So erklärt sich auch die Sekte
oft und oft als Rationalisierung einer aggressiven,
verächtlichen Haltung zur Welt im Ganzen. Die
Gruppendynamik religiöser Gruppen scheint dieselbe, wie
diejenige so genannter weltlicher, säkularer,
nicht-religiöser Gruppen. Darüber hinaus aber scheint
der religiöse Bereich negative Tendenzen des
Normalbereiches mit unendlicher Kraft zu verstärken. 3.Wenn
wir die fundamentalistischen Bewegungen innerhalb der
Großkirchen betrachten, wenn wir die islamitische
Bewegung dazu nehmen, dann haben sie eine
feindlich-tötende Aggressivität gegen alle jene, die
nicht zu ihr gehören. Wenn man zugestehen kann, dass es
in allen diesen Fällen kurzerhand um Nekrophilie, also
um aggressive Mordlust geht, die auch andere
Gruppierungen der Welt aufweisen, die sich nicht
religiös bezeichnen, dann erhebt sich doch eine wichtige
Frage, die ich als Anregung weitergeben will: Ob man
nicht den Koran und das Alte Testament der Bibel
ehrlicherweise von Rachestellen reinigen müsste. Das
Neue Testament, das 2. Testament der Bibel, ist auch
nicht frei von diesem rächenden, strafenden, tötenden
Pathos der Texte. Es entspricht dem Zeitgeist und der
Mentalität des antiken vorderen Orients. Mit Hilfe
dieser Stellen kann jeder sozialpathologische Mensch sein
eigenes Handeln leicht rechtfertigen. Es ist Allahs oder
Gottes Wille zu töten. Es ist nicht mehr der Wille eines
Mörders. Der
so entfachte Sturm der Mordlust hat mehrmals unter dem
Deckmantel des Religiösen die Menschheit heimgesucht.
Stichwort: Sektenähnliche Kleingruppen waren sehr oft
die beständige Küche dieses Mordgebräues. Die
Eroberungszüge des Islam in den ersten fünf
Jahrhunderten seines Bestehens. Die nur zu bekannten
Kreuzzüge der mittelalterlichen Christen. Die
fundamentalistisch-christliche Durchsetzung der
amerikanischen Kriegspolitik z.B. Sie alle können sich
auf Rachetexte ihrer Heiligen Schriften berufen. Ich
habe in einer offenen Auseinandersetzung zwischen
Therapeuten und Theologen erleben müssen, wie ein
amerikanischer Therapeut fundamentalistischer Prägung
genau so, wie ein katholischer Theologieprofessor sich
darüber einig waren, dass es ein Vergnügen sein werde,
beim Jüngsten Gericht den verurteilten Bösewichten in
die Hölle nachzuschauen. Georg Bush und Minister
Rumsfeld wären genau so dabei, wie auch Osama Bin Laden
und seine islamistischen Freunde. Sektenbildung
kann zu bewaffnetem Wahnsinn unter heutigen Bedingungen
missbraucht werden. Die Naivität der Argumentation mit
Menschenrechten etc. verdeckt die Tatsache, dass ein Teil
der Gesellschaft, nämlich die Sekte, über das Ganze der
Gesellschaft zu herrschen beginnt. So die Kleingruppe
Adolf Hitlers über die deutsche Demokratie und später
bis zur Katastrophe des 2. Weltkrieges. Es
genügt also nicht, sich um die Einhaltung der
Menschenrechte zu kümmern, sondern es muss unbedingt
noch dabei beachtet werden, dass es um Macht und um
Tötungsmacht geht. Religiöse Phänomene sind nicht
deswegen menschenfreundlich, weil sie religiös sind.
Auch Hitlers SS hatte Riten und Glaubensüberzeugungen
religiösen Charakters und war doch eine einzige
Mordmaschine. Es ist also notwendig, immer auf das
erprobte Mittel der Offenheit zum Konsens der
Gesellschaft zu achten. Es kann nicht sein, dass kleine
Gruppierungen, wie z.B. Ordensgemeinschaften, Klöster,
Sektenhäuser ganz grundsätzlich der staatlichen
Kontrolle sich entziehen. Der Staat und eine
Landesregierung darf es nicht hinnehmen, dass mit
religiösen- und Menschenrechtsgründen der freie Kontakt
zwischen Kleingruppe und Großgruppe unterbrochen wird.
Die sattsam bekannten Vorfälle betreffend das Engelwerk,
besonders in Tirol oder auch in früheren Jahrhunderten
besonders geschlossener katholischer Klöster (der
Schlüssel steckt innen, das ist der Unterschied zu einem
Gefängnis!) nicht gelöst werden. Die Lösung setzt aber
in jedem Fall die offene Kommunikation zwischen der
Kleingruppe und der Großgruppe voraus. Obwohl jeder das
Recht hat, über sich zu bestimmen ich bin ich und
du bist du so können doch nur alle zusammen sich
gegen Wahnbildungen schützen. Das
allein unterbindet auch die oft von Landesregierungen
aufgezeigte Sektenfeindlichkeit der Großgruppe, denn der
Nicht-Kontakt fördert die Wahnbildung. Anstatt also zu
sehen, wie es wirklich ist, folgt man Broschüren oder
gesellschaftlich bewusst provozierten Vorurteilen. Meine
Frau und ich haben drei Jahre lang eine Taxilenkerin
therapeutisch begleitet, der die Republik ein Kind
entwendet hat mit der Begründung, sie würde es einer
Sekte zuführen. In Wirklichkeit war die Sekte die
Scientologen in Wien und diese waren der einzige Ort, an
dem die Taxilenkerin vor ihrem aggressiven geschiedenen
Ehemann sicher war. Dass das Jugendamt und das Gericht
nicht imstande waren, auf das wirkliche Problem zu sehen
sondern bei dem Wort Scientologen bereits irrational
ausgezuckt sind, zeigt die Stärke der Spannung zwischen
den Gruppen. Nur der offene Kontakt kann das vermindern
Es soll hier nicht der Anschein erweckt werden, dass sich
nur Großgruppen gegen Sekten wehren. Es wehren sich auch
Sekten gegen Großgruppen. So z.B. wenn eine christliche
Gruppierung von 50 Mitgliedern in einer Bundeshauptstadt
so auftritt, als wenn sie 1000 wären und das Gastrecht
bei offener Kommunikation in einer christlichen
Pfarrgemeinde glattwegs umdreht und diese Pfarrgemeinde
wie eine Geiselnahme als Waffe gegen den Ortsbischof
benützt. Die Sinnsuche, die religiöse, kommt also nicht
nur mit menschenfreundlichen Strömungen, Gedanken,
Phantasien, Bildern in Kontakt sondern durchaus auch mit
menschenfeindlichen. Das absolute religiöse Phänomen
braucht unbedingt ein relatives Widerlager, um aushaltbar
zu sein. Wenn das Absolute für sich allein die
Herrschaft übernimmt, entsteht politisch ein Gottesstaat
und psychisch die Dominanz des Über-Ich über Ich und
Es. Beides endet in einer inhumanen Unterdrückung und
einer krankmachenden Zerrform des Religiösen. Ich
würde ihnen für den Workshop folgende Blickpunkte
empfehlen: Wie
verhält sich unser Engagement in der Sektenfrage zu
unserer spirituellen Biographie? Übertragen wir
belastende Kindheitsereignisse unversehens in unsere
affektive Haltung religiösen Gruppierungen gegenüber?
Lassen wir negative Erfahrungen überall gelten, also
auch bei Sekten? Das Positionspapier dieser Tagung zeigt
deutlich, dass der philosophische, weltanschauliche
Rahmen der Aufklärung zu eng ist, um das religiöse
Phänomen wirklich zu begreifen. Deshalb: Es geht nicht
nur um Menschenrechte, sondern auch um den
Erfahrungsschatz der europäischen Tradition, um die
Frage des Ganzen und der Einheit der Menschen und darin
eingeschlossen auch um die Frage, wie der atheistische
oder besser noch agnostische Sektor der Menschheit sich
ausdrückt. |
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