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          Was ist eine Enttäuschung?

Jemand sitzt im Pfarrkaffee und hört drei sogenannte alte Kirchenwanzen lauthals miteinander diskutieren. Dieser jemand fürchtete sich, das übliche Gejammere anhören zu müssen. Jedoch passierte etwas ihm Eigenartiges. Die drei alten Damen gerieten tatsächlich in Zorn und schimpften den Papst. (Sie sagten natürlich der „Heilige Vater“ weshalb der Jemand die Ohren spitzte und sitzen blieb.)

Was erregte die alten Damen so sehr? Schließlich hatten sie ja Lebenserfahrung. Schließlich gibt es überall und immer Gute und Schlechte. Der Jemand war frappiert darüber, dass diese alten Damen keinesfalls dem Vorurteil entsprachen, sie würden dem Papst anbeten, was im 19. Jh. noch üblich war. Ganz im Gegenteil vertraten sie die Rechte der Frauen, sie waren im hohen Alter noch für Kondome und überhaupt gegen das Getue am päpstlichen Hof. Sie hätten gute Gründe dieses Getue menschlich zu verstehen, aber davon war nichts zu hören gewesen.

Der Jemand kam vom Pfarr-Kaffee nach Hause und dachte“Es ist wirklich etwas Entscheidendes passiert. Die „Basis“ wacht auf.  Der Jemand dachte, dieselben alten Frauen hätten niemals vor 20 Jahren so losgelegt und schon gar nicht in aller Öffentlichkeit und schon gar nicht in einem Pfarrkaffee. Es ist also wirklich etwas passiert. Nicht nur einigen Intellektuellen Menschen ist der Glaube weggebrochen, wie in der Adventkolumne geschrieben stand. Es sind nicht die Revoluzzer und Ungläubigen, die die Geduld verlieren. Es sind immer mehr die Getreuen, die treu zur Kirche stehen. Man kann das tragisch finden, ich aber glaube, es ist eigentlich hoffnungsvoll. Denn wenn die Diplomaten, deren Depeschen Wikileaks veröffentlicht, den Vatikan im Visier haben, dann schreiben sie ganz unverblümt von einer Gruppe alter Männer, die in musealen Gebäuden sitzen und hoffen, dass der Kaiser Karl der Große wiederkehrt. (Tut er aber leider nicht!) Stattdessen sitzt Herr Berlusconi im Regierungspalast.  Und nichts ist mehr so, wie in den 2000 Jahren immer war.

Diese gegenwärtige Krise an der Spitze der Kirche kann man nüchtern betrachtet als eine hilflose Reaktion auf den enormen Umbruch auffassen, der vom alten Weltbild  (vor der Aufklärung) zum neuen Weltbild (Gegenwart) im Gange ist. Die alten Herren im Vatikan sind auch nicht übler, als alte Herren eben übel sind. Ganz im Gegenteil gibt es unter ihnen sehr gütige Leute, auch gescheite. Aber der Zug fährt am Gleis daneben und der Vatikan bleibt zurück! Das ist alles nichts Neues und war auch voraussehbar. Aber doch erstaunt es immer wieder jemandem, der sozusagen von außen die Gelegenheit bekommt zuzuhören bei dem, was sich „innen" abspielt.

Wie also können wir eine solche Enttäuschung innerlich bewältigen? Es sind ja hauptsächlich Bilder und Bildkonstruktionen, denen wir erlegen sind, als wir Religionsunterricht bekamen, als wir bei den Salzburger Festspielen einstmals von der Kirche hörten. Es gab sogar eine Oper namens „Palästrina“, die dort aufgeführt wurde.  Und die C-Moll Messe von Mozart, die dort auch aufgeführt wurde, dazu - obwohl der Vatikan sie nicht liebte. Die alten Herren wollten nicht allzu viel vom Freimaurer Mozart hören. Und nicht gleich 3 Frauenstimmer im Chor!  War halt so.

Jetzt aber macht sich ein breiter Strom der Erneuerung sichtbar. Er verunsichert weite, weite Kreise des Kirchenvolkes, bis in jenes Pfarrkaffee von dem anfangs die Rede war. Es ist nicht nur spannend zu erleben sondern auch voller starker Konflikte, die in diesem Prozess frei werden. Alte Rechnungen werden beglichen. Aufsteigerseilschaften ergattern Diözesen. Universitätskarrieren werden festgelegt. Fast gibt es keinen Punkt, auf dem man stehen könnte, um diese Veränderungen alle nicht wahrzunehmen.

Der realste  Trost und die realste Stärkung, die wir einander geben können, ist die Einsicht, dass es ist, wie es ist und dass wir da durch müssen. Bei einem so großen Vorgang wie einem Weltbildwandel spielen vielen Elemente zusammen. Sonst käme er nicht zustande.

Zur Orientierung für den einzelnen Christen und die einzelne Christin bleibt nichts anderes als von dem Glauben auszugehen, der persönlich geworden ist. Es nützt sicher nichts Amtsträger als magische Größen zu verstehen. Deswegen weil sie geweiht sind haben sie noch längst nicht die tiefere Einsicht, den wahren Glauben auf ihrer Seite. Also kann schwerlich von dort ein wesentlicher Trost und eine wesentliche Stärkung erfolgen. „Nemo dat quod non hat“ hat Abraham a Santa Clara den Wienern gepredigt. Niemand kann hergeben, was er selbst nicht hat!.

Da hatte er sicher recht. Und die Leute haben sich ab damals den Spruch gemerkt.

Wir können einander nicht die Sicherheit und die Wegweisung geben, die uns selber fehlt. Aber vielleicht können wir einander an der Hand nehmen und so gut es geht durch die Zeitläufe weitergehen.

                           
                                       
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