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ist mit Gottes geliebter Kirche passiert? (Vielleicht haben einige von Ihnen die beiden Bände von Hans Küng Erinnerungen geschenkt bekommen. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich ihr Studium allen engagierten Christenmenschen dringend nahe lege. Denn selten ist es geglückt, die erregende Geschichte rund um das 2. Vatikanische Konzil bis in die Gegenwart so glaubwürdig, präzise und einleuchtend darzustellen. Ich werde mich stillschweigend und wohl auch oft auf Hans Küngs Erinnerungen beziehen müssen.) Was also ist passiert mit dem christlichen Glauben? Diese Fragestellung wäre der Anschluss zur Kolumne von Jänner 2008 Was ist mit der Religion passiert?. Die therapeutische Erfahrung lehrt uns, dass eine der wesentlichen Funktionen der Psychotherapie die Orientierung verwirrter Menschen ist. Deshalb: Wenn einige von Ihnen vielleicht negative Gefühle zu Glaube und Kirche haben sollten, dann vermögen orientierende Zusammenfassungen weiter zu helfen. Da ich annehme, dass praktisch alle heute engagierten Menschen derartige Schwierigkeiten haben, versuche ich in der Kolumne so gut es möglich ist, auf Orientierungen hinzuweisen. Was ist also mit der Kirche und dem christlichen Glauben passiert? Antwort: die geistige Bewegung der Aufklärung hat ihn weltlich gemacht. Plötzlich mussten Christen sich mit den Ergebnissen der Geschichte, den Naturwissenschaften und vor allem der Sprachwissenschaften auseinander setzen. Und zum Drüberstreuen kam noch durch die Tiefenpsychologie die naive Sicherheit derjenigen ins Rutschen, die in den herkömmlichen Institutionen Ehe, Familie, Vatikan sich aufgehoben gefühlt hatten. Was nun passierte den denkenden und engagierten Christen, die mitten in diesem Geschehen lebten? Antwort: Sie entdeckten, dass mit den wissenschaftlichen Methoden und Überzeugungen der Aufklärungsphilosophie viel hilfreiches Soziales aber nur kümmerlich Theologisches zu machen war. Die Glaubensdokumente der Kirchen, Gebete, Liturgien, Riten waren allesamt in der Mentalität, in den Werten und Bildern des vergangenen Weltbildes formuliert worden. Jeder von uns hat sicher erlebt wie schön es ist, wenn man in einer Umgebung lebt, die zweiflerische Anwandlungen überhaupt nicht kennt. Mir hat das einmal Bischof Kuntner erzählt: Ehrlich lieber Richard," sagte er, wenn ich ins Weinviertel auf Visitation fahre und da empfangen mich an der Gemeindegrenze der Bürgermeister, der Schuldirektor, die Feuerwehr und die Blasmusik, alle Glocken läuten und die Kinder stehen Spalier ... Es ist verführerisch, auch mein Herz schlägt höher, obwohl ich ja weiß, dass das wohl Potemkinsche Dörfer sind, die ich da gerade visitiere. Aber alles wirkt so sicher, die Welt ist so schön, die Blasmusik spielt so erfrischend und der Bürgermeister verbeugt sich freundlich! Zahllose Äußerungen kirchlicher Funktionäre verweisen auf diesen Effekt. Wie schön gläubig sind doch viele Christen in der 3. Welt, in China und jetzt auch in Bayern! Diese Kuntner-Erfahrung, wie ich sie nennen will, ist wie ein Blick zurück in ein Land, das wir verlassen mußten. Zwar haben wir noch Abschiedsgefechte mit Modernisten, Progressiven und so gar nicht Papsttreuen geliefert, wechselseitige Exkommunikationen, Spaltungen bis zu Verteufelungen haben daran nichts geändert, die Moderne hat die Kirche erfasst und ein Teil der verantwortlichen Theologen, die das vollkommen begriffen haben, haben das Konzil mit Vehemenz herbeigesehnt und unterstützt: Wenn man schon im 20. Jahrhundert nicht mehr weiter weiß, wenn die Religionslehrer in den Schulen auf die Fragen der Jugendlichen nicht mehr überzeugend zu antworten vermögen, dann ist Feuer am Dach. Also mit dem Konzil zurück ins 4. Jahrhundert. Die großartige Zeit der Kirchenväter (und auch Kirchenmütter vermutlich) barg unglaublich viele Schätze und die wurden nun herangezogen. Am deutlichsten sichtbar in der Liturgiereform. Nun hat die römische Kurie genau den umgekehrten Weg eingeschlagen. Es ist klar, dass das ihr gutes Kirchenrecht war aber nun hat sie es zuwege gebracht, mit päpstlicher Hilfe die Kirche sogar im Sprung zu hemmen wie Bischof Krätzl formuliert hat. Jeder von uns, der irgendeinmal gesprungen ist und dann mitten im Sprung gehemmt wurde, weiß wie sich das schrecklich anfühlt. Den sicheren Absturz vor Augen wartet man auf das Ende oder zumindest auf die Schmerzen des Aufschlages. Sie
sollten das alles doch positiver sehen! Positiv
denken! |
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