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          WAS ZUVIEL IST, IST ZUVIEL!
 
Wenn Sie im Internet >
http://stephanscom.at/artikel/a15468/ wählen, werden Sie staunen. Sie finden dort einen offiziellen Predigttext des Wiener Kardinals Schönborn vom 27. März 2008 anläßlich des „Gemeinschaftstages der Bischöfe Europas“ - in Wahrheit  der „Movimenti-Bischöfe“ -  im Abendmahlssaal zu Jerusalem.


Zunächst: Anknüpfend an die Emmausbegebenheit macht der Prediger einen jähen Schwenk vom Abendmahlsaal weg und landet  bei den Themen   „Pillenenzyklika - Abtreibung - Ehe für Homosexuelle“. Das geschieht auf Drängen des Heiligen Geistes. (Nach Movimenti-Sprachgebrauch ist der Papst das Sprachrohr des Hl.Geistes. Was also kommt jetzt Wichtiges?)


Es sind die „Sünden Europas gegen das Leben“, die plötzlich  vor uns stehen. Und die zentralen Sündiger darin seien die Bischofskonferenzen  des Jahres 1968 mitsamt ihren Chefs. Somit steht der Wiener Kardinal König plötzlich also großer Sünder vor aller Augen da. Er und Österreichs Bischöfe hatten nicht gewagt, Papst Paul VI Pillenenzyklika fest zu unterstützen (Im Gegensatz zu Kardinal Woytila und dem Neokatechumenat – einer traditionalistischen Gruppierung aus Spanien). Diese waren keine Sünder, weil Enzyklikaverteidiger. So einfach ist das laut Schönborn mit dem Glauben damals gewesen? Wirklich? ...)


Aber es kommt noch dicker: Für diese Sünden seines Vorgängers im Bischofsamt (also Kardinal Königs) bittet der Wiener Kardinal um Vergebung.


1. Das ist ein schwerer Irrtum und im Grunde eine  spirituelle Anmaßung des Predigttextes. Kardinal König hatte sich ja zugunsten der Seelsorge und der Menschen für eine Gewissensentscheidung eingesetzt. Vor wem also und für wen entschuldigt sich der Kardinal nun wirklich? Verwirrung über Verwirrung greift um sich.


2. Es gibt aber vielleicht einen tiefer sitzenden Grund für dieses Durcheinander. Tatsächlich ist die sogenannte „Pillenenzyklika“ (1968) die erste gewesen, die von jedermann und jederfrau am eigenen Leib verifizierbar war.  Das Kirchenvolk hat dieses Lehrdokument für falsch gehalten und nicht angenommen Seither gibt es die Spaltung in „Amtskirche oben und Basis unten“. Seither kann in der Kirche niemand Bischof werden, der nicht  die Pillenenzyklika Roms  schluckt. (Mit allen negativen Folgen, wie alle sehen können! Kondome etc). Und diverse konservative Ergebenheitsadressen an Rom zielen immer auch auf die Rücknahme der „Maria – Troster Erklärung“ (die zugunsten der Gewissensentscheidung erfolgte) ab. Deshalb ernannte Rom nach Kardinal  Königs Abgang die „Wendebischöfe“ (Küng, Groer, Krenn, Eder etc.),deshalb wird das „Kirchenvolksbegehren“ ignoriert und der „Dialog für Österreich“ gestoppt. Aus und Ende der Aktivitäten „von unten“!  


3. Ja richtig! Da gibt es noch das bischöfliche Bedauern über die Inaktivität und Schweigen der Katholiken in der Öffentlichkeit. Aber ist es nicht genau das, was die konservativen Kardinäle von den Laien wollten?


 4. Es gibt noch etwas, das vielleicht diese Predigt inspiriert hat. Es ist der Versuch, in eine Art kindliche Mentalität zu flüchten – etwas, was allen regressiven Weltdeutungen ja eigen ist. Der Wiener Kardinal „sendet“ demgemäss eine Familie mit 9 Kindern nach Istanbul „in die Mission“ (Wenn das nur gut geht! Denkt jemand an die 9 Kinder? Deren Entwicklung? Kann eine Familie heute wirklich eine Glaubenseinheit sein so wie das früher durchaus möglich war?)


5. Er meinte auch, dass die zölibatären Priester ja „väterlich im Glauben“ sein sollten und deshalb Väter des Neokatechumenates als Vorbild für „Väterlichkeit“ benötigen. (Also: Weil Zölibatäre keine Kinder haben dürfen, müssen neokatechumenale Familien viele Kinder haben, - man will gar nicht weiterdenken ... Das darf doch so nicht sein!)


6. Er meinte auch, dass allein kinderreiche Familien ein lebendiges, gesegnetes Europa schaffen können – es ist dasselbe Argument,  das fundamentalistische Türken in einem Reiseautobus zu Antalyia triumphierend vorgetragen hatten: „Wir machen keine Kriege mehr, wir machen statt dessen Kinder in euren Städten!“ – alles also nur  andersherum?


7. Aber da lauert vor allem die zentrale Frage: Gibt es denn niemanden, der einen Bischof und Kardinal vor sich selbst in Schutz nimmt? Gibt es niemanden, der sieht, dass man einen derartigen Predigttext dem gütigen Vergessen überantworten sollte, will man nicht die Ehre und das Ansehen eines wichtigen Amtsträgers schwer beschädigen? Jeder Mensch hat labilere Phasen seiner Arbeit zu bestehen – und jeder Mensch hat ein Recht, nicht gerade dann ins Internet zu kommen, wenn er am wenigsten dafür in Form ist. Das im Augen zu behalten, wäre eigentlich die Aufgabe der bischöflichen Mitarbeiter gewesen.


8. Es mündet alles in einen Ruf nach menschlicher Vernunft, nach  Respekt vor dem Bischof und dem Menschen Christof Schönborn, der nicht ins Kindliche abgleiten darf ...


9. Und wenn wir uns schon mit dieser Predigt plagen müssen: Es möge doch der „öffentliche Sünder“ Kardinal Dr. Franz König vom Himmel her seinem Nachfolger mit der trockenen und klaren Vernunft beistehen, die ihn selber stets ausgezeichnet hatte.

                           
                                       
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