Wenn die Spannung unerträglich wird Prosit 2010! Eigentlich wäre eine ermutigende Fortsetzung des Themas Schulkreuz ( Ki 12/09) angebracht gewesen, die Kolumne lag auch schon in der Redaktion, als die Erstleser des Textes. Sagten: "aber so einfach geht das nicht! Deswegen soll hier ein wahrheitsgemässer, aber dadurch leider auch kritischerer Text eingeschoben werden. Es geht so wirklich nicht !, weil allmählich der Druck und die Spannung innerhalb der Kirche immer mehr steigt. Unlösbare Spannung macht auf die Dauer krank! Man merkt es dem kirchlichen Milieu oft und oft an. Der Ausschluß aller Frauen von kirchlichen Weiheämtern, und die Folgen für die grosse Gruppe der wiederverheirateten Geschiedenen das sind Gläubige, über deren Schwierigkeiten das Milieu andauernd stolpert. Man denke nur an die Pastoralassistenten, an die Spitalsseelsorgerinnen, an die Religionslehrerinnen sie alle stossen an den unbegreiflichen Widersinn dieser Verfügungen mindestens wöchentlich einmal an. Das tut nicht gut. Gleichzeitig scheint es so, als ob man auf einem rutschenden Hang stünde, mit dem weite christliche Bereiche den Bach hinuntergehen. Ohne dass man wüsste, was man tun dürfte und könnte und sollte. Diese Situation zeigt sich besonders dort, wo statt Engagement und Freude, Resignation eingetreten ist. Wenn wir uns fragen, ob es eine neurotische Quängelei sein könnte, die die Kirche bloß krank redet, wie Bischöfe meinen, oder ob es das zähe Festhalten an der absoluten zentralen päpstlichen Macht ist, die wie ein Stein im Weg liegt, und jede Ökumene behindert. Oder ob es die Folge eines flach-aufklärerischen Zeitgeistes ist, der alles Wertvolle im Glauben, wegerklärt (wie Charismatiker bedauern), was uns behindert oder ob es der mögliche Ärger über kirchliche Institutionen ist, der sich zu einem Tsunami aufbläht, es gibt darauf keine eindeutige Antwort, außer einer geschichtlichen. Diese lautet: Seit den Piuspäpsten - vor etwa 200 Jahren beginnend (seit Napolen also) entwickelte sich die Kirche zu einer Diktatur. Da kann man reden was man will- blumige Sprachfloskeln wie Kollegialität verwenden, sie bedeuten im Alltag nicht viel. Man sieht das ganz deutlich am jetzigen Papst. Was immer er beschließt kann er mithilfe seiner Position als absolut Erster in allem und jedem völlig allein (im Notfall gegen die ganze Kirche) auch beschließen. (Der Vatikan erstirbt dann in schauervoller Ehrfurcht vor dem vermeintlichen göttlichen Geist, der sich im Papst manifestiert) Aber derartige Machtschauer haben auch Hitler, Franco und, um ein positiveres Beispiel anzuführen, Konrad Adenauer und Herbert von Karajan auszulösen vermocht. Die römisch katholische Kirche hat eine Führungsspitze, die sie zu einem gefügigen Werkzeug dieser Spitze macht - ja sogar sich zu kindlichem Gehorsam ihr gegenüber verpflichtet Ich schreibe das nicht mit stiller Häme, sondern mit Schmerz. Ich weiß einfach nicht, wie uns das gelingen könnte, zu einer Unterscheidung der Geister zurückzufinden; die seit den Zeiten des hl.Paulus für alle Gemeinden wichtig ist. Die Schwierigkeit besteht auch darin, dass es ja nicht böse Päpste oder Pfarrer oder Frauenfunktionärinnen sind, um die es sich da handelt. Im allgemeinen ist niemand in der Kirche wirklich böse und verabscheuungswürdig, sondern eher von irgendeinem Geist der Machtanmassung oder vermuteten spirituellen Grösse irregeleitet. Wenn unser gegenwärtiger Papst sich immer mehr an seinem so wenig seligen Vorgänger Pius IX orientiert, so bleibt nichts anderes übrig, als sich immer konsequenter an Jesus zu orientieren und dann auch am Atem der grossen theologischen Tradition an der geschichtlichen Wahrheit, wie sie uns zugänglich ist. Also müssen wir auf die phantasierte weisse Weste eines kindlichen Gehorsams verzichten, müssen Fehler riskieren, auch studieren und sich weiterbilden, müssen viel eher Papst Johannes XXIII als Richtschnur nehmen als mit Pius IX und Benedikt XVI gegen die Geschichte nach hinten donnern ... Denn hinten wartet bestenfalls die Barbarei der Ursünden auf uns vor uns aber liegt die Erlösung, wie uns in der Liturgie gesagt wird. Dort spielt sich etwas Lebendiges für uns ab ! Ich glaube, dass man anders den krankmachenden Druck und die Spannung in der Kirche nicht reduzieren kann. |
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